Absinths Erinnerungen von Graeflicher-Trottel (Eine tragische Liebesgeschichte) ================================================================================ Kapitel 1: Begegnung -------------------- Der Dämonenkönig langweilte sich. Doch er musste in seinem Thronsaal bleiben und warten. Warten auf diesen kleinen Menschenkönig, der ihm heute sein erstgeborenes Kind vorstellen würde. Welches Geschlecht hatte dieses Menschenbalg eigentlich? Aber es konnte ihm ja egal sein, Mensch bleibt Mensch und dann auch noch mit so einem Vater… dagegen war der Dämonenkönig im Vergleich noch harmlos. Zwar führte er Millionen von Dämonen an, immer bereit zu kämpfen und für ihren König zu sterben, doch dieser Menschenkönig war zu allem fähig, ihm war es egal, ob Menschen, Dämonen oder Feen, Hauptsache, er hatte etwas, dem er seine Macht demonstrieren konnte. So litten die Menschenbauern unter zu hohen Steuern und wenn sie diese nicht bezahlen konnten, wurden sie eben Sklaven des Königs. Leibeigene nannte dieser sie. Absinth, so war der Name des Dämonenkönigs, spuckte vor Verachtung auf den Boden seines Thronsaales. Sofort kam eine Dienerin, eine kleine aschgraue Dämonin mit großen schwarzen Augen und Flügeln, die allerdings zu klein zum tragen ihres Gewichtes waren, mit einem Lappen angerannt und wischte die Spucke weg. Sofort, als könne allein der Anblick ihres Königs sie töten, purzelte sie wieder von dannen. Absinth seufzte. Nichts konnte er machen, ohne, dass gleich ein paar seiner Dämonen ankamen und hinter ihm aufräumten. Absinth war von hochgewachsener Statur. Sein schulterlanges goldschimmerndes weißes Haar glänzte, wenn es mit den wenigen Sonnenstrahlen, die in seinen Thronsaal gelassen wurden, in Berührung kam. Wie Absinth so dort auf seinem Thron lag und vor Langeweile in der Nase bohre, klopfte es auf einmal an der schwer verzierten Fichtentür. Daraufhin kam Yuki, Absinths erster Mann, hinein. Er war ein sehr großer Dämon, er überragte Absinth um etwa einen halben Kopf, und hatte genauso wie Absinth ein menschliches Äußeres. An seinem Gürtel hingen, wie immer, seine zwei Schwerter und Absinth musste bei seinem Anblick unwillkürlich lächeln. „Mein Herr“, Yuki stand nun auf dem Teppich, der die gleiche giftgrüne Farbe hatte, wie das Getränk, welchen der König so gerne trank. Er verbeugte sich tief. „Richte dich auf, mein Freund“, sagte Absinth mit einer Stimme, die schöner als die Chöre der Elfen und Feen klang, und Yuki gehorchte. „Der Menschenkönig und sein Kind stehen vor der Tür.“ Der Dämonenlord seufzte wieder. „Kannst du ihnen nicht sagen, dass ich nicht da bin?“ „Dafür ist es leider schon zu spät. Aber wenn Ihr meinen Rat hören wollt..“ Absinth lächelte. „Ja, ich vertraue deinem Rat.“ „Lasst die Menschen hinein und bringt es schnell hinter Euch. Dann können Sie heute noch etwas auf die Jagd gehen.“ Dabei zwinkerte er ihm zu. Absinth setzte sich auf und lehnte sich zurück. „Ja das wäre wohl das Beste… Lasse sie hinein…“ Yuki verbeugte sich leicht, dann drehte er sich um, ging aus dem Raum und schloss die Tür. Nach etwa einer Minute, trat ein prächtig gekleideter Mann ein. Ihm folgte ein kleines Kind, das für jeden Schritt des Mannes vier Schritte machen musste. Der Mann, es war der Menschenkönig, war sehr klein und untersetzt. Absinth fand das Wort ‚untersetzt’ noch untertrieben, er fand ihn eher fett, die goldenen Knöpfe seines strahlendweisen Hemdes hielten dem Bauch nur schwerlich stand. Die roten Haare, die das Balg sichtbar geerbt hatte, zeigten schon ersten Anzeichen Grau und von seinem Thron aus konnte Absinth mit Vergnügen den ersten Ansatz einer Halbglatze feststellen. Im Gegensatz zu ihm war das Balg fast mager. Nur am dem Kleidchen konnte Absinth erkennen, dass es ein Mädchen war, es war so zwei, drei Jahre alt und versuchte sich hinter seinem Vater, der mittlerweile auf dem grünen Teppich angekommen war, vor den Blicken Absinths zu verstecken. „Was findet Ihr nur an diesem seltsamen Grün?“ grüßte der Menschenkönig. „Ich hätte den Teppich schon längst rausgerissen, wenn Ich Sie wäre.“ Der Dämonenkönig stand auf. „Ich freue mich auch Euch zu sehen“, sagte er mit kalter Stimme. „Mir gefällt dieses Grün eben. Und wie ich meine Räume gestalte geht Euch einen feuchten Dreck an.“ Dann stellte er sich vor den Menschenkönig, die Hände in die Hüften gestemmt. „Ich bin auch froh, dass Ich nicht öfters in Euer Schloss muss. Aber nun kommen wir zu dem, weswegen Ich hier bin.“ Er bückte sich unter Anstrengungen und Absinth geriet wahrlich in die Versuchung ihn einfach umzuschubsen. Doch er ließ es. Der Menschenkönig nahm seine Tochter auf den Arm und wandte sich wieder Absinth zu. Dieser musterte das Mädchen. Glücklicher Weise sah sie ihrem Vater, abgesehen von der Haarfarbe, überhaupt nicht ähnlich. Wären die Haare nicht gewesen, hätte man meinen können, die Frau des Königs hätte mit einem anderen Mann geschlafen. Bei diesem Gedanken musste der Dämonenkönig grinsen. Das Mädchen versuchte sich im Arm ihres Vaters zu verstecken, doch dieser raunte ihr zu, sie solle dem Dämon ihre Hand reichen, ganz wie es sich für eine Prinzessin gezieme. Also nahm das kleine Gör all seinen Mut zusammen und reichte Absinth die Hand, welcher einen Kuss auf die weiche Kinderhaut hauchte. Wenn er ehrlich sein sollte, roch sie sogar gut. Dann sah er ihr in die großen violetten Augen. Auch diese musste sie von ihrer Mutter geerbt haben, denn ihr Vater hatte kleine wässrig-blaue Knopfaugen. Alles in Allem konnte er sagen, dass sich dieses Gör mal zu einer ansehnlichen Frau entwickeln würde... wenn er sie jetzt nicht auffraß. Auch dem Menschenkönig fiel wohl gerade ein, dass der Dämonenkönig für sein Leben gerne kleine Kinder fraß und er trat einen Schritt zurück. „Ihr Name ist Bridget und sie wird einmal Königin werden. Ich hoffe, dass Ihr mit ihr“, er fuhr ihr liebevoll über das Haar, „besser zusammenarbeiten werdet als mit mir.“ Damit drehte er sich um und schritt Richtung Tür. Das Mädchen aber schaute über die Schulter ihres Vaters und winkte Absinth fröhlich zu. Dieser winkte erstaunt zurück. Kinder! Als der König die Tür hinter sich geschlossen hatte, drehte er sich um. „Das war was“, seufzte er. „Ich hoffe, dieser alte Sack kommt nicht mehr oft hier her.“ Damit ging er aus dem Thronsaal und ging in seinen Umkleideraum zu. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)