Dreaming Society von Gepo (Fortsetzung von Dead Society) ================================================================================ Kapitel 5: Spaziergänge ----------------------- Mau ^~^ Ich hatte einen schönen Tag. Viel gespielt, viel gelacht, habe jetzt gerade einen Teller mit Tomaten und Mozarella gebracht bekommen - ich fühle mich pudelwohl ^v^ Ich muss nur noch eine Woche arbeiten und habe vier Abende davon geplant an DS zu schreiben. Hoffe, das ist in eurem Sinne ^.- Ohne viel weiteres Gelaber nun also zum Kapitel - viel Spaß beim Lesen. _________________________________________________________________________________ „Dieser Roland hat etwas von einem Chefbutler.“, murmelte Katsuya, als der Mann, der den Rollstuhl gebracht hatte, außer Hörweite war. „Das kommt der Definition von einem persönlichen Assistenten sehr nahe.“, erklärte Seto ohne Scham, „Nur dass die meisten anderen Butler nicht unbedingt in der Lage sind die eigene Arbeit zu übernehmen. Außerdem können sie keine Helikopter fliegen.“ „Cool...“, der Blonde sah ihm noch einmal hinterher, „Ich will auch lernen, wie man Helikopter fliegt.“ „Ich bringe es dir beizeiten bei.“, Seto griff nach den Lenkstangen des erschreckend einfachen Rollstuhls – bei Menschen wie den Kaibas hatte er eher ein Modell erwartet, das fliegen konnte – und fuhr zu ihm herüber. „Du kannst Helikopter steuern?“ „Klar. Zu den Meetings nach Tokio bin ich selbst geflogen.“, sie begannen den Kiesweg weiter hinab zu spazieren, weg vom Haus. „Äh... wie wäre es einfach den Wagen zu nehmen? Oder die Bahn? Das ist umweltschonender, weißt du?“, und nicht so sauteuer, aber das sagte er lieber nicht laut – wahrscheinlich war das sogar der Grund, warum Seto es getan hatte. „Es hat weit weniger Effekt als im weißen Anzug aus einem Helikopter zu steigen.“, na, ganz toll... Poser. „Du bist nicht nur eingebildet und arrogant, du bist auch noch eitel.“ „Erstens: Veträge zu meinen Gunsten sind so viel leichter abzuschließen. Zweitens: Ich bin schwul.“ „Was ist das für eine Begründung?“, fauchte Katsuya. „Es ist ein Klischee, dass Schwule eitel sind. Lass mich den Erwartungen der Allgemeinbevölkerung doch mal nachkommen. Was sollen die armen Menschen denn denken, wenn sie ihre Vorurteile nicht bestätigt sehen?“ Bei allen Göttern, waren wir doch mal wieder ein wenig sarkastisch. Seto ging es sichtlich gut, sonst täte er nicht so selbstüberzogen. Mal ganz ehrlich: Wollte er wirklich, dass Seto wieder stabil wurde, wenn das das Endergebnis war? Der Typ konnte echt kein Mittelmaß finden. Zumindest amüsierte er Noah damit ganz gut. „Ist das der Seto, den du kennst, Noah?“ „Original.“, bestätigte dieser nur, „Genau so, vierundzwanzig sieben.“ „Äh... was heißt das?“, fragte Katsuya nach. „Vierundzwanzig Stunden täglich, sieben Tage die Woche.“, grummelte der Drache, „Praktisch immer.“ „Außer wir arbeiten mal wieder achtundvierzig Stunden täglich.“, der Türkishaarige legte den Kopf in den Nacken und warf Seto ein schelmisches Grinsen zu, „In dem Fall gab es glatt Stunden, wo er brav schweigend hinter einem Schreibtisch gesessen hat und Papierkram machte.“ „Papierflieger falten?“, neckte der Jüngste seinen Freund, der ihm hinter Noahs Rücken frech die Zunge rausstreckte. Hach... dieses Kind sollte es stundenlang sitzend aushalten? Nun gut, Seto war beim Lesen ja wirklich ruhig, aber nur wenn das Buch hoch spannend war, er nebenher Musik hörte, etwas aß und sich am besten noch unterhielt. Oder verlangte der Papierkram eines Firmenchefs viel Aufmerksamkeit? „Wenn man zuhört, wie ihr beide euch neckt, würde man nicht darauf kommen, wie krank ihr seid.“, warf Noah leise ein. „Wenn man bedenkt, dass ich sein Lehrer, Pflegevater, Vermieter und Geliebter in einem bin und wir so miteinander umgehen, könnte man es doch.“, konterte Seto nur trocken. „Wenn man das bedenkt, hält man mich einfach nur für ein intrigantes Biest, dass sich Noten, Wohnung, Verpflegung und Freiheit erschläft.“ „Um dem Bild gerecht zu werden, bist du zu aufmüpfig.“, Blauauge warf ihm einen herablassenden Seitenblick zu, „Du schmierst mir bei weitem zu wenig Honig um den Mund dafür.“ „Den Honig schmier ich dir ganz wo anders hin.“ „Katsuya!“, hey, Noah nahm das locker und lachte – Seto sollte mal nicht so zugeknöpft sein, normalerweise machte er solche Kommentare schließlich selbst, „Du legst es heute echt darauf an genagelt zu werden, oder?“ „Du bist hier der Sexsüchtige, warum bin ich nicht ausgelastet?“, auf Katsuyas Lippen legte sich ein maliziöses Lächeln, „Außerdem war das heute der erste Kommentar in die Richtung.“ „Erstens: Ich bin nicht sexsüchtig, sonst wäre ich nämlich auch nicht monogam, denn alleine kannst du einen Sexsüchtigen keinesfalls befriedigen. Zweitens: Du hattest heute schon zwei Anfälle, das wiegt mehrere Seitenkommentare auf.“ „Wieso das denn?“, der Blonde stemmte die Hände in die Seiten. Was hatten Anfälle mit Seitenkommentaren zu tun? „Weil ich zu pervers bin, um nicht die Möglichkeiten abzuwägen, wenn sich ein sexy Blondchen hilf- und wehrlos an mich drückt.“, wie konnte der Typ dabei keine Miene verziehen? Meinte er das wirklich ernst? „Schließlich lässt du fast alles mit dir machen, wenn du dissoziativ bist.“ „Idiot.“, knurrte Katsuya nur und verschränkte die Arme. „Aus Dissoziationen holen nur Reize, die die Reizschwelle überschreiten. Diese ist nach Einsetzen der Dissoziation am höchsten und nimmt danach konstant ab. Wenn man die Schwelle also nicht überschreitet und sich beeilt oder immer neue dissoziationsauslösende Reize sendet, kann man mit dissoziativ Gestörten praktisch alles machen.“ Sie zu vergewaltigen zum Beispiel. Katsuya seufzte. Der Anfangsimpuls warf in die Dissoziation, der Rest hielt darin. Sowohl Seto als auch Yami als auch Ryou dürfte man demnach ziemlich einfach vergewaltigen können. Vielleicht sogar Bakura. Er hatte ihn zwar noch nie dissoziativ gesehen, aber Ryous Erzählungen ließen darauf schließen, dass er es auch war. Er schüttelte sich. Ob es bei ihm auch einfach sein würde? Er konnte es sich eigentlich nicht vorstellen. Er würde bis aufs Blut kämpfen... glaubte er zumindest. „Wie oft habt ihr solche dissoziativen Zustände?“, fragte Noah nach. „Gar nicht.“, erwiderte Seto wie aus der Pistole geschossen, „Normalerweise. Derzeit so dreimal die Woche.“, er wandte sich an Katsuya, „Oder?“ „Eher mehr.“, er seufzte, „Ich habe sie wirklich nur als Abwehrreaktion aus heftige Sachen.“, er schoss einen Seitenblick, „Wie zum Beispiel, wenn ich dieses Wesen da im Bett meines besten Freundes finde.“ „Hey... wir waren nicht zusammen. Wir wohnten nicht einmal zusammen.“, verteidigte sich der Brünette, „Ich fühle mich da wirklich nicht schuldig.“ „Habe ich gemerkt.“, Katsuya schnaubte, „Schließlich bist du wieder zu ihm gefahren, nachdem du wusstest, wie sehr mir das weh tut. Und behaupte nicht, du hättest nicht gesehen, dass ich versucht habe mich umzubringen danach.“ Seto öffnete den Mund, die Mimik wütend verzogen, doch hielt inne, schloss die Lippen und sagte ruhig: „Es tut mir Leid. Das war wirklich gemein von mir.“ Der Jüngere strich sich mit einem Finger über die Augenwinkel, atmete tief durch und wandte seinen Blick zu Boden, während er weiterging. „Entschuldige mich bitte kurz.“, Seto brachte den Rollstuhl zum Stehen, ging festen Schrittes auf seinen Freund zu, legte einen Arm um dessen Taille und drehte ihn mit dem anderen so, dass er den unterernährten, zerbrechlich wirkenden Jugendlichen an sich drücken konnte. „Es tut mir Leid...“, wiederholte er noch einmal sanft, küsste den Jüngeren auf den Kopf und wiegte ihn in seinen Armen, während dieser eher zögerlich die Arme hob und sie um seinen Freund legte. „Küss mich einfach.“, verlangte Katsuya nur – was auf eine sehr sanfte, sehr liebevolle Art und Weise erfüllt wurde. Bei Suizidversuchen wurde Seto wirklich vorsichtig. Anscheinend hatte er tatsächlich extremste Ängste noch mehr Menschen zu verlieren, wenn er sogar seine unkontrollierbaren Gefühle dafür in Schach halten konnte. „Ich denke, Mokuba kann in Frieden ruhen.“, sagte Noah leise, um nicht allzu sehr zu stören, nachdem sie sich wieder voneinander gelöst hatten, „Ich habe Seto noch nie so fürsorglich gesehen.“ „Nicht?“, fragte Katsuya erstaunt. Auf seine Bedürfnisse ging er immer ein... wenn sie nicht gerade in der Öffentlichkeit waren. „Nein. Früher war es schon eine extreme Zuwendung, wenn er mal den Arm um einen legte. Bisweilen hat er einen sogar noch weiter fertig gemacht, wenn es einem eh schon schlecht ging.“, der Geschäftsmann seufzte leise, „Das waren die einzigen Momente, wo Mokuba mal zu mir gerannt ist, um sich trösten zu lassen.“, Seto wandte den Kopf ab, während sich Katsuya gegen ihn lehnte, „Nach Vaters Tod war er wirklich extrem aggressiv. Er hat nichts anderes getan als die Fehler anderer breitzutreten. Das ist gar kein Vergleich zu der Liebhaftigkeit, die er dir gegenüber zeigt.“ „Tja... dafür sind seine Aggressionen, wenn sie jetzt mal auftreten, wahrscheinlich schlimmer. Oder, Seto?“ „Mein Name ist Hase, ich weiß von nichts.“, Seto drückte dem Kleineren einen Kuss gegen die Stirn, schubste ihn in eine gerade Haltung und stellte sich wieder hinter Noahs Rollstuhl. „Das sagte der holländische Massenmörder namens Hase bei seiner Gerichtsverhandlung auch.“, flüsterte der Sitzende mit Sorge in der Stimme. „Dein Bruder ist cool.“, meinte Katsuya beim Einsteigen in Setos Wagen, „Freundlich, fürsorglich und humorvoll. Und ich finde es bewundernswert, wie gut er mit solchen Schwierigkeiten wie seiner Lähmung oder unserer Psyche umgehen kann.“ „Mittlerweile.“, der Fahrer überprüfte seine Spiegel und seinen Sitz, „Früher hatte er ziemliche Probleme damit. Der war richtig froh mich los zu sein damals.“, er ließ den Wagen an, „Ich kann es ihm nicht verübeln.“, mit einem Winken Richtung Eingangstür der Villa fuhr er los, „Deswegen wollte ich ihn eigentlich auch nicht so sehr in meine Probleme einbeziehen. Aber er ist belastbarer geworden.“ „Höre ich da eine mögliche Annäherung an deinen Bruder?“, fragte der Blonde lächelnd. „Vielleicht.“, ganz, ganz leicht zogen sich auch Setos Lippenränder in die Höhe, „Ich könnte ihn ja mal zum Kaffeetrinken einladen.“ „Gute Idee.“, bekräftigte Katsuya das Vorhaben, beobachtete den Mann neben sich und spürte das Lächeln in seinem Gesicht verblassen, „Sag mal... wie fühlst du jetzt?“ „Hm?“, ein schneller Seitenblick aus den blauen Augen, „Ganz gut, wieso?“ „Ich habe deine Andacht ziemlich gestört...“ „Kein Problem.“, ein träumerisches Lächeln zog über das ebene Gesicht, „Wenn Mokuba als so etwas wie eine Seele noch vorhanden ist, wird er meine Entschuldigungsschreie wohl gehört haben. Auch wenn ich am Altar selbst nur einen Bruchteil ausgebracht habe. Aber er versteht mich schon – er hat mich schließlich sein Leben lang gekannt und jede Krankheitsphase mitgemacht.“, eine Hand löste sich vom Lenkrad und fuhr für einen Moment in Katsuyas dichtes Haar, „Mach dir keinen Kopf deswegen.“ „Okay...“, er fühlte sich trotzdem ein wenig schuldig. Das war eine Aktion für Seto gewesen und er hatte das Vorhaben zerstört durch seinen Anfall. Aber irgendwie glaubte auch er, dass Mokuba verziehen hatte – Seto wie auch ihm. „Wollen wir noch etwas unternehmen oder möchtest du nach Hause?“, erkundigte sich der Fahrer. „Was denn unternehmen?“ „Eis essen oder schwimmen gehen oder noch mehr spazieren... was immer du möchtest.“, Schwimmen gehen? Bei seinen offenen Wunden? Seto hatte wohl den letzten Spatz nicht mehr gehört. „Ich möchte mir Yami schnappen und mit euch beiden bei McDonalds Burger essen gehen.“, entschied der Blonde spontan – sein bester Freund hatte ihm schließlich versprochen mit ihm einen Burger zu essen, wenn es ihm besser ging. „Dann ruf ihn an.“, in Setos Stimme schwang ein leichter Seufzer mit. Anscheinend war er nicht so ein Burger-Liebhaber wie seine zwei Liebsten. „Yami!“ „Kats!“, die beiden fielen sich in die Arme, wobei es der Blonde nicht lassen konnte den Leichteren einmal um die eigene Achse zu schwingen. „Ihr seid so schwul...“, moserte Seto vom Auto aus und trommelte mit den Fingern auf das Aluminiumverdeck. „Meine Güte, heute noch keinen Sex gehabt?“, der Sechsundzwanzigjährige mit den rotvioletten Haaren mit blonden Ponysträhnen verdrehte die dunkelvioletten Augen, pustete noch einmal über seine frisch lackierten Nägel und schlenderte währenddessen zum Wagen. Katsuya entging nicht, wie die blauen Augen den gutaussehenden Stricher musterten, aber ganz ehrlich – mittlerweile war es ihm egal. Er musste seinen eigenen Blick auch erstmal von der Lackhose und dem schwarzen Tanktop lösen. Yami war wandelnde Erotik, dagegen gab es einfach nichts zu sagen. „Ich hoffe bloß, ich vertrage das Fett noch immer so gut. Nicht, dass mich die Dinger in die Breite gehen lassen.“, der Rothaarige pfefferte seine Handtasche in den Wagen, bevor er sich elegant auf der Rücksitzbank niederließ – Seto verdrehte nur die Augen, während er sich selbst auf seinen Platz zurück setzte. „Ein paar Pfund mehr schaden dir auch nicht.“, der Fahrer warf durch den Rückspiegel einen Blick auf Yami, der sein Make-up im herunter klappbaren Spiegel des Autos betrachtete, „Wenn man schon einen Körper bezahlt, sollte man auch etwas zum Anfassen haben.“ „Aber ein paar Pfund schmerzen an den Füßen.“ „Selbst Schuld, wenn du mit solchen Nuttenstiefeln rumrennst.“, Katsuya unterdrückte ein Lachen und schnallte sich schleunigst an, während die beiden weiter diskutierten. „Die gehören zufällig zum Beruf.“ „Mal ehrlich, wie viele Stricher in dieser Stadt laufen so rum wie du?“ „Keiner, ich bin schließlich einzigartig.“, er klappte den Spiegel wieder zurück, anscheinend zufrieden mit seinem Äußeren, „Für mich persönlich gehören sie trotzdem dazu.“ „Schon gut, du eitle Bazille.“ „Selber eitel. Ich fahre nicht mit der Limousine zur Arbeit.“ „Nein, du nimmst das Motorrad, das dein Freier dir geschenkt hat.“ Wie sie leibten und lebten... wer war wohl schlimmer? Seto mit ihm oder Seto mit Yami? Mit wem diskutierte er mehr? Wahrscheinlich Yami, der war gebildeter. Er musste langsam mal anfangen mit der intensiven Weiterbildung, wenn er irgendwann mal Seto nahe kommen wollte. Aber vielleicht sollte er damit noch warten, bis der Stress der Verhandlung ausgestanden war. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)