Der Alchemist von Leopawtra ================================================================================ Kapitel 1: Lektion 2 -------------------- ๑⊱☆⊰๑ Der Friedhof lag nicht weit entfernt vom Dorf. Er lag gleich hinter dem kleinen Bach, der im Winter immer zugefroren war. Es war tief in der Nacht und der eisige Wind peitschte über die Weiden hinweg, ehe er seinen Weg in die dunklen Wälder fortsetzte. Aus der Ferne hörte Darren von den Berghängen die Manticore brüllen, doch daran störte er sich nicht. Er war im Parasuna Dschungel unterwegs gewesen und hatte dort gefährlichere Wesen und Pflanzen gesehen als Manticore. Vor dem Grab Shanas stehend betrachtete Darren die Grabinschrift einen kurzen Moment lang. Seine Moral und sein Gewissen hatte er längst hinter sich gelassen, denn sein Vorhaben stand fest. In warmes Manticorfell gehüllt und die Kapuze über sein zerzaustes Haupt gelegt, sah er sich auf dem Friedhof um. Trotz der tiefen Nacht und dem spärlichen Mondlicht konnte er alles gut genug erkennen, denn der weiße Schnee hatte den so tristen Friedhof in eine hübsche Winterlandschaft verwandelt. Dadurch, dass der Schnee das wenige Mondlicht reflektierte, konnte er genau erkennen wo er sich befand und auch die kleine Kapelle war gut in der Mitte des Friedhofes zu sehen. Porkas saß in der Mitte der Holzschubkarre, die Darren schwerfällig durch den hohen Schnee hierhergeschoben hatte. Neben ihm lag die Schaufel, mit der er Shana ausgraben wollte. Die Flasche Kräuterschnaps in der Hand haltend sah der kleine Kobold höhnisch zu dem Alchemisten. „Was ist los, Teuerster? Warum gräbst du nicht? Hast du Angst, dass dich zu dieser dunklen Stunde jemand sehen könnte?“ Auf diese Fragen hin wandte sich Darren mit mürrischer Miene zu Porkas und zog die Brauen kraus. „Nein, ich überlegte lediglich, ob ich nach dem Ausgraben Shanas die Leichenhalle unter der Kapelle nach Brauchbarem durchstöbere oder ob ich noch andere Gräber aushebe. Des Weiteren können wir das Grab von Shana danach nicht offenlassen. Deine Aufgabe - und darauf verlasse ich mich - wird es sein, das Grab zu schließen und unsere Spuren zu verwischen.“ Darren trat nach seiner Ansprache an die Schubkarre heran, nahm die Schaufel mit beiden Händen heraus und begann damit das Grab vom Schnee zu befreien. Anschließend begann er mit der schweren Arbeit das Grab auszuheben und sich durch die gefrorene Erde zu kämpfen. Es machte ihm schwer zu schaffen sich auf diese Art und Weise körperlich zu ertüchtigen. Der Stärkste war er noch nie gewesen, doch jetzt im hohen Alter, vor allem im Winter, waren es seine müden, kranken Knochen, die nur unter Schmerzen ihren Dienst leisteten. Trotzdem es so bitterkalt war, der Wind schneidend über den Friedhof hinwegfegte und der Schneefall nicht aufhörte, begann Darren bei seiner Arbeit zu schwitzen. Das letzte Mal als er sich körperlich so angestrengt hatte, war als er im Ödland von Beronk vor einem Schwarm Harpyien floh. Gedanken kreisten nicht durch seinen Kopf, denn dieser war vollkommen leer. Seine Handlungen geschahen ohne sein bewusstes Zutun und Darren hatte das Gefühl wie in Trance zu sein. Er hatte wahrhaftig schon viel mit seinen Tränken experimentiert und dabei zugesehen wie humanoide Wesen verstümmelt wurden oder sich ihr Innerstes nach außen kehrte. Wobei dies die Harmlosesten seiner Misserfolge waren. Natürlich waren diese Misserfolge nur Unfälle gewesen, da die Tränke ihre perfekte Wirkung noch nicht erreicht hatten. Eine Leiche jedoch auszugraben und diese zurück ins Leben zu holen, war selbst für den Alchemisten ein Akt, den er nie geglaubt hatte zu vollziehen. Er war viel zu sehr in seinem Vorhaben vertieft und betäubt von seiner brennenden Neugier und der Hoffnung Shana wieder zum Leben zu erwecken, dass er weder Schuld noch Reue fühlte. Genau genommen fühlte Darren im Moment nur die Vorfreude sie aus dem Grab zu holen und mit ihrem toten Leib zu experimentieren. ๑⊱☆⊰๑ „Teuerster, du solltest dich beeilen. Der Mond verabschiedet sich langsam, was bedeutet, dass bald die Sonne aufgeht. Es wäre unklug hier zu verweilen, bis der Pfarrer erscheint.“, ertönte die leicht besorgt klingende Stimme von dem Kobold, woraufhin sich Darren mühselig aufrichtete und aus dem Loch hinauf zum Himmel schaute. Sein Blick verfinsterte sich, als er feststellte, dass das dunkle Firmament bereits an Helligkeit gewonnen hatte. Schnaubend sah er unter sich und hoffte, dass er ihren Holzsarg bald erreicht hatte. Immerhin befand er sich bereits gute zwei Meter unter der Erde. Allerdings machten seine Knochen und die Kälte ihm sehr zu schaffen und auch die Müdigkeit zerrte an seinem ganzen Leib. Doch er wollte jetzt nicht scheitern. Darren war bereits viel zu weit gekommen, um sein bizarres Vorhaben abzubrechen. Mit neuem Elan mobilisierte er ein letztes Mal seine Kräfte und schaufelte weitere Erde heraus. Ein harter Widerstand, auf den seine Schaufel traf, ließ ihn zufrieden grinsend innehalten. Rasch schob er den letzten Rest Erde von dem Widerstand fort und enthüllte so den hölzernen Sarg der jungen Shana. „Porkas, hilf mir den Sarg heraus zu holen!“, rief Darren dem Kobold entgegen, doch es kam keine Antwort. Furcht begann in seine Knochen zu kriechen und sein Herz schlug mit einem Mal kräftiger in seiner Brust. Darren befürchtete ganz alleine auf dem Friedhof zu sein und das Porkas ihn seinem Schicksal überlassen hatte. Die Angst verlieh ihm neue Kraft, weshalb er behände aus dem Grab geklettert kam, sich den Dreck vom Fell und seiner Kutte klopfte und anschließend bangend zur Schubkarre sah. Dort saß Porkas mit ablehnender Haltung und argwöhnischem Blick, ehe er anschließend den alten Mann garstig fragte: „Was springt für mich dabei raus?“ Am liebsten hätte Darren diesem kleinen Wicht gehörig die Schaufel über den Kopf gezogen, doch sich mit einem magischen Wesen anzulegen war nicht nur sehr unklug, sondern konnte im Fall von Kobolden schmerzhaft und sogar tödlich enden. „Ein ganzes Fass Kräuterschnaps?“, mutmaßte Darren und bot ihm dieses gleichzeitig an, da er sich gut vorstellen konnte, dass Porkas genau darauf hinauswollte. Was den Alchemisten jedoch sehr überraschte, war die Tatsache, dass der Kobold seine gelben Augen verblüfft weitete und anschließend wild zu kichern begann. Nickend erhob er sich aus der Schubkarre und hopste giggelnd hinüber zum Loch. „Für ein ganzes Fass helf' ich dir doch gern, Teuerster.“ ‚Er ist ja so berechenbar, wenn es um Entlohnungen geht.‘, dachte Darren bei sich und beobachtete wie Porkas seine dürren Ärmchen in das Grab streckte und mit den Fingern zu wackeln begann. Ein violetter Lichtstrahl schoss aus seinen langen Fingern hinein in das dunkle Loch und ehe Darren sich versah hob der Kobold den Holzsarg mit Leichtigkeit heraus. Umhüllt von violettem Schimmer ließ Porkas den Sarg neben dem Grab in den Schnee sinken. Anschließend machte er eine hebende Handbewegung mit seiner Linken und der Deckel öffnete sich von selbst. Ohne ein Wort des Dankes an den Kobold zu richten, ging Darren um das ausgehobene Grab herum und stand Sekunden später neben dem offenen Sarg. Seine grünen Augen waren auf den dort enthaltenden Leichnam gerichtet und er atmete tief durch. Dabei stieg ihm der widerlich süßliche Duft der Fäulnis in die Nase. Etwas anhaben konnte dieser Geruch ihm jedoch ganz und gar nicht, denn der Mundgeruch eines Basilisken war um ein Vielfaches schlimmer. Der Anblick hingegen war schon recht unangenehm gewesen, da Darren Shana als bildhübsche, makellose Frau in Erinnerungen hatte. Man hatte sie mit dem Bauernkleid beerdigt, welches sie am Tage des Manticorangriffs getragen hatte. Es war blutig und auf der rechten Bauchseite komplett aufgerissen. Wie Darren deutlich erkennen konnte, hatte sich der Manticor ein Loch in ihre Bauchdecke gebissen und in ihren Innereien gewühlt und gefressen. Ihr rechtes Bein fehlte ab der Hüfte beinahe komplett, denn nur ein kleiner abgerissener Stumpen des ehemaligen Oberschenkels war alles was der Manticor übriggelassen hatte. Sogar ihren linken Arm hatte er angeknabbert und hier und dort Fleisch abgefressen. Deutlich erkannte Darren wo der Manticor zuerst zugebissen hatte, um Shana zu betäuben oder sie zu töten. Er konnte nämlich nur schwer sagen, ob sie noch lebte oder nicht, als er begann sie zu fressen. Eine deutliche Bissspur war an ihrem Hals zu sehen und ein Stück ihres Fleischs fehlte an dieser Stelle. Wehmütig hoffte Darren, dass Shana bereits nach diesem Biss tot war und nicht noch qualvoll miterleben musste wie der Manticor sich an ihr sättigte. Genau betrachtete er den geschundenen Leib der jungen Frau und stellte dabei fest, dass der Rest von ihr unversehrt geblieben war. Rasch analysierte der Alchemist welche Leichenteile er brauchte, um Shana wieder vollständig zusammenzusetzen. Darrens Augen huschten hinüber zu der Kapelle. Dabei dachte er an den Keller, in dem die Leichen vor der Bestattung aufbewahrt wurden. Dort lagen mit Sicherheit noch die letzten Toten von der Grippe, die vor zwei Wochen das Dorf befallen hatte. Kaum hatte er sein zweites Vorhaben ins Auge gefasst, holte er aus seiner Kutte ein großes Leinentuch hervor. Dieses reichte er dem Kobold. „Hüll' Shana darin ein und leg sie in die Schubkarre. Deine andere Aufgabe kennst du ja. Ich werde in den Leichenkeller gehen und dort ein Bein und Nähzeug holen.“ „Nähzeug? Willst du ihr was Hübsches nähen oder wozu soll das gut sein?“ Porkas nahm das Leinentuch an sich und betrachtete Darren anschließend zweifelnd. Entnervt seufzte Darren auf und strich sich mit der Hand über das Gesicht. „Nein, ich werde damit ihre Bauchdecke so gut es geht zusammenflicken und ihr neues Bein annähen.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen wandte er sich von dem Kobold ab und stapfte durch den hohen Schnee hinüber zur Kapelle. Dort angekommen betätigte er die Klinke und huschte durch einen Spalt ins Innere. Die Kapelle war zum Glück nie abgeschlossen, was es Darren daher erlaubte ohne Probleme in das Gebäude zu gelangen. Der Eingang zum Leichenkeller war ebenfalls sehr schnell gefunden, da dieser neben der Kapellentür lag. Es war nur eine weitere Tür mit jeweils zwei Treppen dahinter. Eine Treppe führte hinauf zum Orgelbalkon und die zweite hinunter in den Keller. Leise stieg der Alchemist nun die Treppe hinunter und fragte sich dabei, wie der Pfarrer und dessen Totengräber es immer wieder schafften, die so sperrigen Särge die Treppe rauf und runter zu tragen. Allerdings war die Antwort weder wichtig noch notwendig, denn Darren würde keine ganze Leiche brauchen. Er brauchte nur ein noch halbwegs junges Bein und da bei der Grippe sowohl Alte wie Junge umkamen, war es ein Leichtes für ihn sich an den Jüngeren zu bedienen. Im Laufe der Nacht hatte Darren jegliche Moral, Reue und Schuldgefühle verloren. Sein Vorhaben hatte ihn innerhalb weniger Stunden abgestumpft und skrupellos werden lassen. Was für ihn jetzt nur noch zählte war das kommende Experiment mit Shanas Leib. Was kümmerte ihn die Moral, wenn sein Vorhaben eine viel höhere Bedeutung hatte? Sicher würden die Dörfler ihn dafür hängen wollen, doch wenn er sie erst von der großartigen Errungenschaft überzeugen konnte, vielleicht würden sie ihn dann sogar heiligsprechen. Immerhin könnte er den Dörflern, ja sogar ganz Valiona, dazu verhelfen, dass niemand mehr seine Lieben verlor. Der Tod wäre nur noch ein minuten- oder gar stundenlanger Ausflug, ehe das geliebte Wesen durch den Lebenstrunk zurückkehrte. Doch diese Zukunft war davon abhängig wie das Experiment verlief. Suchend und mit einer Kerze in der Hand, die ein wenig Licht spendete, lief Darren durch die große Halle, in der die Toten aufgebahrt auf Holzliegen ruhten und mit Leinentüchern bedeckt waren. Er schaute unter jedes dieser Tücher und fand schlussendlich eine etwas in die Jahre gekommene Frau. Er kannte sie flüchtig vom Sehen, doch da die Dörfler ihm nicht wichtig waren, kannte er auch ihren Namen nicht. Ungeniert zog er das Tuch von dem Leichnam und untersuchte ihn mit genauem Blick. Ihre Beine waren unversehrt und noch relativ hübsch anzusehen, weshalb Darren diese Dame als Spenderin auserwählte. Nun sah er sich nach etwas Brauchbarem um, womit er das Bein von der Dorfbewohnerin trennen konnte. Seine Iriden fielen auf einen Nebenraum, bei dem die Tür offenstand. Neugierig eilte er hinüber zu dieser, hielt die Kerze in den Raum und begann zufrieden zu lächeln, als er die Sargwerkstatt fand. Damit war zumindest geklärt woher der Pfarrer die Särge für die Beisetzungen bekam. Mit vorsichtigen Schritten lief er durch die Werkstatt und fand auf einem Holztisch die nötigen Werkzeuge für den Zusammenbau eines Sargs. Ein weiteres Mal blickte er zufrieden drein, als er eine Säge fand. Diese an sich nehmend wandte Darren sich rasch um und verließ die Werkstatt wieder. Die Zeit drängte und er wusste, dass die Sonne bald aufgehen würde. Der Pfarrer würde wie jeden Tag sehr pünktlich hier sein, um die Glocken zu läuten und somit zum Gebet für die Schöpferin aufzurufen. Zurück bei dem Leichnam, stellte er die Kerze auf der Holzliege ab und setzte die Säge an ihren Schenkel bei der Hüfte an. Er brachte dafür all seine Kraft auf, um durch das faulende Fleisch zu schneiden. Das schmatzähnliche Geräusch und der wenige Fluss von geronnenem Blut kümmerte ihn dabei nicht. Lediglich die unangenehmen schabenden Laute, die entstanden als die Säge den Knochen durchtrennte, waren das Einzige was Darren ein wenig angewidert das Gesicht verziehen ließ. Der letzte Schnitt war getan und das Bein war vom Leichnam getrennt. Nun hob er das Tuch vom Boden auf und wickelte das Bein darin ein, ehe er sich umsah und einen großen braunen Holzschrank hinter sich erblickte. Hoffnungsvoll weitere Tücher und Nähzeug darin zu finden, lief Darren auf diesen zu und öffnete die Türen. „Teuerster! Wir müssen uns beeilen, wenn wir nicht gesehen werden wollen.“, ertönte plötzlich die fipsige Stimme Porkas' hinter ihm, woraufhin Darren heftig zusammenzuckte und anschließend strafend zu dem Kobold blickte. Auf seine Worte hin schüttelte er ernst den Kopf. „Erst muss ich die andere Leiche so herrichten, dass weder die Totengräber noch der Pfarrer Verdacht schöpfen.“ Porkas blickte zu der Toten und runzelte die Stirn. „Meinst du nicht, dass der Pfarrer seine Schäfchen so gut kennt, dass ihm auffallen würde, wenn der Guten plötzlich ein Bein fehlt?“ Kurz innehaltend und über diese Worte nachdenkend strich sich Darren über seinen Vollbart. Er musste gestehen, dass der Kobold Recht hatte, woraufhin er tief aufseufzte und Verzweiflung in seinen Körper kroch. Auch die Angst vor dem Erwischt werden gesellte sich nun dazu. Mit zittriger Hand griff Darren nach dem Nähzeug im Schrank, schloss langsam die Türen und lehnte sich mit resigniertem Blick dagegen. „Es ist aus, Porkas. Der Pfarrer wird gleich hier sein und ich habe keine Möglichkeit die Leiche verschwinden zu lassen und die Spuren hier unten zu beseitigen. Geschweige denn, dass ich noch so agil bin und die Schubkarre mit Shanas Körper schnell vom Gelände geschoben bekomme.“, flüsterte der Alchemist nun unglücklich in die Leichenhalle hinein. Er fühlte sich nun vollkommen leer, schwach und ausgelaugt. Plötzlich schien es ihm, als würde der Traum, von einem Leben mit Shana und dem Ruhm der großen Errungenschaft, wie Sand in seinen Händen zu zerrinnen. Was hatte er sich nur dabei gedacht? Er war, ohne einen vernünftigen Plan zu gestalten, mitten in der Nacht mit Porkas hierhergekommen und hatte alles dem Zufall und Schicksal überlassen. Porkas saß auf der Holzliege bei der toten Dörflerin und ließ seine Finger immer wieder durch die Flamme der Kerzen gleiten. Dabei beobachtete er mit wütendem Blick den Alchemisten und hörte seinem selbstmitleidigen Gefasel zu. Schließlich erhob sich der Kobold und knurrte argwöhnisch. „Bist du fertig mit deinem Geheule? Hast du vergessen was ich bin? Ich bin ein Kobold und zähle zu den mächtigsten magischen Wesen in ganz Valiona. Beruhige dich also und überlass alles andere mir, Teuerster.“ Verwundert über die Reaktion des Kobolds hob Darren den Kopf. In der Regel war es Porkas gleichgültig was mit ihm war, so lange er nur genug Kräuterschnaps für ihn übrighatte. Jetzt jedoch half er Darren aus der Misere und er stellte sich darauf ein, dass er ihm am Ende zwei Fässer Kräuterschnaps dafür zahlen musste. Aber dies war ein Leichtes für den Alchemisten. Darren hatte in seinem ganzen Leben schon viele Zauberer, magische Wesen und Ausführungen von Magie gesehen, doch der Anblick, der sich ihm jetzt bot, war äußerst selten. Kobolde zauberten in der Regel im Verborgenen, wobei meist der Wink mit der Hand genügte, doch größere und mehrere Zauber, die sie auf einmal woben, taten sie in der Regel vor den neugierigen Augen anderer versteckt. Auf der Holzliege stehend wob Porkas mehrere Zauber zusammen, hielt die Augen dabei geschlossen und erstrahlte in einem grünlichen Licht, während seine Hände in eisblaue knisternde Lichtkugeln getaucht waren. Unter Anstrengung seine Arme über den Kopf ausgebreitet, wurde der grünliche Schein um den Kobold greller. Der letzte Zauber ließ Porkas in die Hände klatschen und die gesamte Leichenhalle in einer grünweißen Explosion erstrahlen. ๑⊱☆⊰๑ Die Augen hatten Darren so stark gebrannt und auch die Explosion hatte ihn sich fürchten lassen, dass er sein Gesicht mit dem Arm schützend verdeckte. Seine Beine schlotterten und er wagte es nicht den Arm vom Gesicht zu nehmen und seine Augen zu öffnen. Zu groß war die Angst, dass der Kobold nur ein Theater veranstaltet hatte und den alten Mann im Leichenkeller zurückgelassen hatte. Das Knistern eines Feuers war das Erste was ihm an die Ohren drang und auch angenehme Wärme und ein schummeriges Licht nahm er wahr. Vorsichtig und mit skeptischem Blick zog er den Arm von seinem Gesicht und stellte verblüfft fest, dass er zurück in seiner Hütte war. Neugierig untersuchte er augenblicklich jedes Detail und er bemerkte sofort den eingehüllten Leichnam und das eingewickelte Bein in der Mitte seiner Hütte. Die Schaufel stand wieder hinter der Tür und auch Porkas hatte sich wider auf seinen Holzschemel niedergelassen. „Das ist...“, begann der Alchemist vollkommen erstaunt, zog sich seinen Manticorfellmantel aus und warf ihn über seinen Bettpfosten. „Du brauchst mir nicht danken, aber du schuldest mir nun ein zweites Fass voll Kräuterschnaps. Immerhin habe ich die Tote in das Grab deiner Liebsten befördert, es wieder verschlossen, es von einer Schneedecke verhüllen lassen und jegliche Spuren beseitigt, die auf dich deuten könnten. Außerdem war ich so frei uns wieder hierher zu teleportieren. Natürlich mit den nötigen Utensilien.“, erklärte Porkas mit triumphalem Ton und deutete bei seinen letzten Worten auf Shanas Leichnam und das Bein. Der Alchemist sah zu dem Kobold und nickte dankbar dreinblickend. „Du sollst deinen Lohn dafür bekommen, Porkas.“ Die Augen Darrens wandten sich nun seinem Versuchsobjekt zu. „Ich werde sofort mit der Arbeit beginnen, doch zuerst sollte ich mir einen Moment Ruhe gönnen.“ ๑⊱☆⊰๑ Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)