Auf den Hund gekommen von Hotepneith (Lord Sesshoumarus 24.Fall) ================================================================================ Kapitel 7: Informationsbeschaffung ---------------------------------- Sesshoumaru blätterte erneut in den Steuerunterlagen. Das waren eindeutig nur die vom letzten Jahr. Wo befand sich der Rest? Wollte dieser unsägliche Kano ihn schlicht ärgern? Oder war der so dumm? „Wo sind die Belege der vorherigen Jahre?“ Kaede blickte nochmals zu ihrer Schwester, die daher antwortete: „Sie befinden sich gewiss im Arbeitszimmer unseres Vaters.“ Und warum hatte dieser unselige Narr ihm dann nicht wenigstens die gebracht? „Diese habt auch ihr bearbeitet?“ „Ja, Lord Sesshoumaru. - Darf ich etwas dazu bemerken?“ Hana hatte, ebenso wie ihre Schwester, bemerkt, dass ihr Benehmen wohl noch bei weitem nicht hoffähig war, und bemühte sich nun, wenigstens zu zeigen, dass sie lernen wollten. Es gab nicht allzu viele Dämonen, die Schreiber brauchen konnten – und eine Empfehlung des Erbprinzen oder gar des Herrn aller Hunde wäre nur förderlich. Leider hatten sie mutmaßlich bereits einen schlechten Start gehabt. Umso wichtiger wäre es nun Benimm und Wissen zu zeigen. Da er sie anblickte, fuhr sie fort, eilig wieder den Kopf senkend: „Ich bin ganz sicher, dass Ihr in allen Unterlagen keinen Fehler finden werdet. Kaede und ich haben bereits alles doppelt nachgerechnet....“ Was bei allen Göttern machte dieser Kano eigentlich selbst? Ruhig bleiben, ermahnte sich der Hundeprinz zum.....wievielten Mal, seit er dieses Haus betreten hatte? „Eine andere Frage: Kako wurde begraben. Was wisst ihr über ihren Tod?“ „Sie starb,“ erwiderte Kaede hörbar verwirrt, ergänzte dann jedoch hastig: „Aber...es war wohl kein natürlicher Tod, wenn Euer Lordschaft Blick darauf fiel?“ Sie bemühten sich um Benimm, konstatierte der Angesprochene, wie auch Beniko. Immerhin etwas. „Nun?“ „Ich bedauere, Lord Sesshoumaru. Wir....wir beide sind in aller Regel nicht an Familienangelegenheiten interessiert. Wir wollen ja Schreiber werden und lernen viel.“ „Aber ihr kanntet sie.“ „Ja, natürlich. Ich meine, ja, Lord Sesshoumaru. Sie war die zweite Frau unseres Vaters und kümmerte sich um uns, wenn unsere Mutter...unpässlich oder anderweitig beschäftigt war.“ „Sie brachte uns auch auf den Einfall Schreiber zu werden,“ ergänzte Hana: „Sie war sehr nett.“ „Was sagt euch Lavendelheide.“ Die Hundemädchen blickten sich wieder an, sichtlich aufeinander eingespielt, ehe die Ältere meinte: „Das ist eine Heilpflanze, glaube ich. Aber damit kennen wir uns nicht aus, Lord Sesshoumaru. Hat das....“ Sie brach lieber ab. Hana dachte kurz nach: „Lavendelheide...war das nicht der Tee, den wir trinken mussten, als Akio krank war, vor einiger Zeit?“ „Oh, du hast Recht,“ erwiderte ihre Schwester und blickte eilig wieder zum Dämonenprinzen, allerdings nur auf dessen Schleife um die Taille: „Ja. Akio war krank und Mutter gab, wie sie sagte, zur Vorsorge uns auch allen den Tee zu trinken.“ „Was fehlte Akio?“ erkundigte sich der unwillige Ermittler. Das würde bedeuten, dass schlicht alle wussten was Lavendelheide war und wogegen sie eingesetzt wurde. Prompt sagte Kaede auch: „Er hatte sich wohl Würmer eingehandelt.“ „Trank auch Kako diesen Tee?“ „Ich vermute es, Lord Sesshoumaru, da Mutter ihn selbst Vater gab.“ Also hätte Kako wissen müssen, wogegen diese Pflanze eingesetzt wurde. Warum aß sie sie dann? Hm. „Wie läuft das ab, wenn eure Mutter den Tee kocht?“ „Gewöhnlich geht sie in die Kräuterküche. So heißt der Raum.“ Hana atmete durch, da sie durchaus begriff, dass diese Fragen ein bestimmtes Ziel hatten: „Aimi ist bei ihr, wie auch beim Pflücken. Damals war es jedoch so, dass sehr viele Kräuter benötigt wurden, da es ja für alle reichen sollte. So sollten wir gehen und einen Korb pflücken, aber wir lehnten ab, da wir ja Pflanzen nicht bestimmen können...und auch wollen, wie ich zugebe. Darum gingen Ayaka und Beniko. Ayaka möchte ja Heiler werden und Beniko einmal einen wohlhabenden Haushalt führen, da müssen sie sich wohl eher damit auskennen. Überdies sind sie älter.“ „Wir tranken alle diesen Tee, Lord Sesshoumaru,“ ergänzte Kaede: „Niemand wurde vergiftet....Mutter kann etwas.“ Sesshoumaru ignorierte die eigene Meinung der Mädchen: „Wann habt ihr Kako zuletzt gesehen? Fiel euch an ihr etwas auf? Eine Krankheit?“ „Nein, Lord Sesshoumaru,“ erwiderten beide unverzüglich, ehe sie sich anblickten und Kaede fortfuhr: „Sie kam allerdings vor zwei Tagen zu uns, äh...ich meine, in Mutters Zimmer, wir sitzen dort ja alle und schlafen auch dort. Aber Mutter war nicht da, und so ging sie wieder, nachdem ihr ..Beniko oder Ayaka versprochen hatte, das Mutter zu sagen.“ „Wer befand sich noch in dem Raum?“ „Aimi sicher nicht, sie geht immer mit Mutter. Aber die Kleinen, natürlich, unter Aufsicht einer unserer älteren Schwestern. Wir achten darauf nicht so, Lord Sesshoumaru.“ „Ich glaube, sie erwähnte, dass ihr morgens übel sei. Sie hatte wohl etwas Falsches gegessen, sagte sie,“ fuhr Hana fort. Und dann Lavendelheide gegen Krätze und für Wurmkuren essen und Alraune, das gegen Schmerzen wirkt, aber auch Halluzinationen bewirken kann, trinken? „Geht. - Und richtet eurem Vater aus, dass ich weitere Unterlagen der vergangenen Jahre umgehend zu sehen wünsche.“ „Ja, Lord Sesshoumaru.“ Beide verneigten sich höflich, berührten mit der Stirn den Boden, ehe sie gingen. Seine Lordschaft drehte sich um und blickte aus dem Fenster. Er neigte zu der Ansicht, dass diese Mädchen in den fünf Minuten bei ihm mehr Benehmen gelernt hatten als im vergangenen Jahr. Immerhin schienen sie weitaus intelligenter zu sein als ihr Vater, wozu freilich nicht viel gehörte. Sie kamen wohl eher nach Kirei. Nun gut, während er auf die nächsten Unterlagen wartete, sollte er einmal über diesen seltsamen Tod Kakos nachdenken. Alraunentee und Lavendelheide.... Hatte dieser selten törichte Kano etwa mitbekommen, dass seine zweite Frau krank war, und versucht ihr irgendwie zu helfen? Mit fatalen Folgen natürlich? Sonst jemand? Um das Wie zu erfahren war ein Ausschlussverfahren notwendig. Und dazu benötigte er noch Informationen. Sinnvolle Informationen: „Sakura.“ Er brauchte sich nicht einmal umzudrehen um zu wissen, dass sie sich sofort verneigte, um wortlos seinen Befehl abzuwarten. DAS war Betragen: „Gehe zu Kirei und sieh dir diese Kräuterküche im Hinblick auf Lavendelheide und Alraune an. Besitzt sie das? Wie oft verwendet sie das und wer hat noch Zutritt zu dem Raum.“ „Ja, Lord Sesshoumaru.“ Sie sprang eilig auf. In dieser Stimmung war er nicht zu unterschätzen. Immerhin schien er an beiden Problemen gleichzeitig zu arbeiten. Aber Kano....Sie gab dem unseligen Hundedämon keine vier Stunden mehr zum Leben, wenn der nicht endlich die kompletten Unterlagen beibrachte. Kirei war ein wenig verwundert, führte jedoch die Heilerin ein Stück den Gang hinunter zu einer hölzernen Tür. Sakura bemerkte durchaus, dass hier die Wände aus Stein waren, verständlich, wenn mit Feuer hantiert wurde. Und der Raum war nicht verschlossen. Die Hausherrin öffnete die Tür. „Bitte.“ Sakura musterte das kleine Zimmer. Im Hintergrund eine kleine, gemauerte Feuerstelle, davor ein niedriger Holztisch mit einer Matte davor, sicher, um Dinge anzurühren. In einem Regal auf der rechten Seite standen ordentlich aufgereiht kleine Bambuskörbchen und verschlossene Tongefäße, alle beschriftet. Es machte einen guten Eindruck, dachte sie unwillkürlich. Sauber und aus Versehen das Falsche greifen konnte man auch nicht. Sie trat ein und musterte die Beschriftungen. Die Hundedämonin blieb unter der Tür stehen: „Es ist nicht sehr ausführlich, für eine Heilerin, nicht wahr? Aber mehr Kenntnisse besitze ich leider nicht.“ „Oh ich bin sicher, dass das für den Hausgebrauch mehr als ausreichend ist. Ihr habt es sehr schön und ordentlich eingerichtet.“ „Danke.“ Nach Kireis erfreuter Stimme war das das erste Lob in Jahrhunderten. Da war Lavendelheide. Sakura nahm das Körbchen und öffnete es, roch. Ja, das war es, fein zerstoßen, um daraus Tee bereiten zu können. Nicht sehr viel, gerade für zwei Tassen oder so ausreichend, aber mehr benötigte man ja erst einmal auch nicht. Falls wirklich eine Wurmkur notwendig war, musste man eben frisch suchen und zubereiten. Oder bereits getrocknete Kräuter verwenden, die sicher auch irgendwo hier waren. Und dort, in dem Tongefäß, befand sich Alraune? Sie nahm es und öffnete. In der Tat, das war Alraune. Wenn sie an die Mahnungen ihres Lehrers dachte, der sie nicht damit hantieren ließ, weil sie erst noch genaueres Wissen sammeln sollte, war das sicher nichts, was man in ungebildete Hände geben sollte. Und diese Alraunenwurzel war abgerieben. Ohne Zweifel war hieraus der Tee bereitet worden, den Kako getrunken hatte. Sie drehte sich um: „Verzeiht...habt Ihr diese Wurzel schon einmal benutzt?“ Kirei stutzte: „Nein. Mir verkaufte sie ein Händler, von dem ich auch andere Kräuter kaufte. Er sagte, sie sei gut gegen Schmerzen.“ „Nun, werft sie weg. Das ist keine Alraunenwurzel.“ Das war gelogen und sie müsste das auch Seiner Lordschaft beichten, aber sie nahm an, dass sei eine viel bessere Version als schlicht zu sagen, das sei zu gefährlich. Wer wusste schon, auf was für Ideen Kirei dann kommen würde – und wann der nächste Giftmord ins Haus stünde. Sie konnte sich vorstellen, dass Kano auch bei seinen nächsten Angehörigen manchmal Aggressionen weckte. Die Dame des Hauses sah keinen Grund der Schülerin Neigi-samas nicht zu glauben: „Oh. Dann bin ich froh, dass ich das keinem der Kinder gegeben habe. Gerade Akio hat bisweilen Schmerzen nach dem Kampftraining, aber es erschien mir nie arg genug, um diese angeblich so mächtige Wurzel zu verwenden. - Werft es doch dort in die Feuerstelle. Dann verbrennt sie das nächste Mal mit.“ Sakura gehorchte: „Wer außer Euch betritt diesen Raum?“ „Nun, eigentlich nur Aimi, da sie ja alles mit mir macht.“ „Aber es wäre jedem möglich....?“ „Die Tür ist nie versperrt, ja. Aber die Kinder wissen, dass sie hier nicht hersollen. Und Azarni, Akio und auch Kiku sind ja stets unter Beobachtung.“ Die Mutter klang so beleidigt, dass sich Sakura lieber ein wenig verneigte: „Vergebt, so lautet der Befehl Seiner Lordschaft.“ Kirei seufzte: „Ich weiß. Ich würde mir fast wünschen....“ Sie brach lieber ab. Es wäre sicher taktisch überaus unklug gegenüber einem Menschen als Hundedämon zu erwähnen, dass man den zukünftigen Herrn aller Hunde lieber möglichst von hinten sah. „Habt Ihr weitere Fragen?“ „Im Augenblick nicht. Vielen Dank.“ Sakura ging und erkannte dabei, dass Kano eilig aus einem zweiten Gang zu Kireis Zimmer lief. Diese blieb stehen und hektisches Flüstern begann. Nun, das würde sie ebenfalls berichten, aber zuhören war für einen Menschen unmöglich. Kano erklärte übereilig: „Und jetzt will er auch noch die Unterlagen der letzten Jahre sehen!“ „Die Mädchen...?“ fragte Kirei nur. „Nein, ich habe das Zeug doch verbrannt!“ Seine geplagte Ehefrau blickte kurz an die Decke: „Warum dies denn? War Euch denn nicht klar, dass es einmal zu einer Prüfung kommen könnte?“ „Ich...ich hielt mich für zu unbedeutend..und es lag immer soviel Papier herum. Das war lästig und so habe ich sie eben...verbrannt. Was soll ich ihm jetzt nur sagen?“ Das war ihm selbst doch auch erst eben eingefallen. „Die Wahrheit.“ „Kirei, Schatz...fällt dir nichts ein? Das kann ich ihm doch unmöglich erzählen. Er hält mich im besten Fall für unfähig, das berichtet er dem Fürsten und dann....? Dann stehen wir samt den Kindern auf der Straße! Im ärgsten Fall denken er und der Taishou ich hätte betrogen, das würde mich den Kopf kosten!“ Und womöglich die gesamte Familie auch. Sie seufzte überfordert: „Kano, mein Gebieter – Lord Sesshoumaru ist kein Irgendwer, er würde doch jede Lüge bemerken. Lasst mich ein wenig nachdenken.“ Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)