Samurai von moonlight_005 ([NejiTen] Teil 1 der Samurai-Trilogie) ================================================================================ ~ Kapitel 28: Scar ~ -------------------- ~ Kapitel 28: Scar~ Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht. [Oscar Wilde] Das Heer durchbrach die Stille des Waldes. Wo die Natur einst in unschuldiges Weiß getaucht war, konnte man jetzt Fußabdrücke entdecken, die schwer gepanzerte Soldaten hinterlassen hatten. Wohin sie auch kamen, ließen sie eine einzige Spur der Verwüstung zurück und das Gleichgewicht der Natur geriet von ihrem brutalen Eindringen durcheinander. Vögel flogen kreischend von den Wipfeln der Bäume auf und die Tiere, die am Boden lebten, nahmen Reißaus, wenn sie die riesige Menschenmasse kommen hörten, die so rau in ihren Lebensraum eindrang. Mao-Chéng hatte die Streitmacht Konohas zu einem Gewaltmarsch gezwungen. Bald waren die Soldaten erschöpft, doch ihr Herrscher duldete keine Schwäche. Wer nicht stark genug war, blieb zurück, wo er jämmerlich in der Wildnis erfror. Und da sich ihnen niemand entgegen stellte, legten sie den Großteil der Strecke schon in einer Woche zurück. Nach einem weiteren Tag, entdeckten sie die Leiche Dosu Kinutas, dann trafen sie schließlich auf Hayate Gekko und sein Gefolge. Knapp zwei Wochen nachdem sie aufgebrochen waren, hatten Mao-Chéng und Orochimaru die Rebellen gefunden. Der zugefrorene See war beinahe vollkommen von notdürftig errichteten Zelten umgeben. Dennoch blieb eine weite Fläche fast unberührt. Dort würde alles ein Ende nehmen. Ein Rabe stieß ein schrilles Kreischen aus, flatterte gen Himmel und der Fürst Konohas sah ihm mit grimmiger Miene nach. Nach fast vierzehn Jahre Suche hatte er das Versteck der Rebellen endlich gefunden und dieses Mal würde er sie endgültig auslöschen. ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Das zaghafte Klopfen an ihrer Tür war das erste Lebenszeichen seit einer gefühlten Ewigkeit. Stunde um Stunde war sie in diesem Raum auf und ab gegangen. Tenten wusste, dass es zu ihrer eigenen Sicherheit war, aber dennoch war sie eher eine Gefangene, als ein Gast, der sich nach Belieben unter den Rebellen bewegen konnte. Tenten erhob sich von ihrem Lager, packte Amaterasu und gürtete sich das Schwert um die Hüfte. „Ja?“, bat sie ihren Besucher herein. Die Tür wurde von draußen entriegelt und ein junges Mädchen öffnete sie. Ihre Besucherin trug einen Leinenrock und eine abgetragene Bluse. Sie hatte hübsches, mittelbraunes Haar, aber es kam fast gar nicht zur Geltung, da sie es streng zurück gebunden hatte. Tenten schätze sie auf fünfzehn Jahre, aber der abgehärtete Ausdruck und das Messer an ihrer Hüfte lehrten sie, dass dieses Mädchen viel zu schnell erwachsen hatte werden müssen. „Bitte entschuldigt die Störung“, begann das Mädchen, „ich bin Matsuri. Sabakuno-san hat mich geschickt um Euch zu holen. Es gibt eine Versammlung und er möchte, dass Ihr anwesend seid.“ Tenten sah sie dankbar an. Endlich erfuhr sie was vor sich ging. Seit Gaara ihr die Geschichte der Rebellion erzählt hatte, waren fast fünf Tage vergangen und diese Zeit hatte sie nur mit jemandem Kontakt gehabt, als man ihr etwas zu Essen gebracht hatte. Mit der Zeit war auch ihre Unruhe gewachsen und irgendetwas sagte ihr, dass etwas ganz und gar nicht stimmte. „Danke, Matsuri.“, sagte Tenten, „würdest du mir den Weg zeigen?“ „Selbstverständlich.“ Das Mädchen verneigte sich und gebot ihr den Raum zu verlassen. Tenten warf einen Blick zurück. Matsuri hatte die Tür wieder verschlossen und in diesem Moment wusste Tenten, dass sie nicht mehr zurückkehren würde. Sie waren bereits dreimal abgebogen, als sie das Gefühl beschlich nicht mehr allein zu sein. Nach der fünften Abbiegung war sie so weit, sich panisch umzudrehen, doch der Gang war leer… „Wir sind gleich da, Tenten-hime“, sagte Matsuri und lächelte schüchtern. „Hab ich dich endlich!“ Augenblicklich fuhr Tentens Hand zu dem Griff ihres Schwertes. Ohne, dass es Matsuri oder Tenten gemerkt hatten war Karui vor ihnen aufgetaucht. In der Hand hielt sie einen langen Dolch und ihre Augen funkelten vor Hass. Matsuri schob sich unwillkürlich vor sie. „Karui-san“, begann das Mädchen, aber die erwachsene Frau schnitt ihr das Wort ab. „Ach hör schon auf, Matsuri, du bist ihr nichts schuldig und nur, weil du Gaaras Liebling bist, wirst du mich nicht aufhalten.“ Die Rebellin kam auf sie zu und Matsuri hielt die Waffe vor sich. Auch ohne Matsuris Können zu kennen, erkannte Tenten, dass das junge Mädchen keine Chance gegen eine zu allem entschlossene Karui hatte. „Karui-“ „Wag’ es nicht mich mit meinem Namen anzusprechen!“, fauchte die Rothaarige sie an, „deinetwegen habe ich keine Familie mehr!“ Und binnen einer Sekunde hatte sie sich auf sie gestürzt, Matsuri stellte sich ihr entgegen, doch Karui schleuderte sie mit einem einzigen Angriff an die Wand, wo sie stöhnend liegen blieb. Tenten riss erstarrt die Augen auf, als Karui auf sie zu kam und konnte nur noch im letzten Moment ausweichen. „Kämpf mit mir!“, brüllte Karui als Tenten vor ihr zurückwich. „Nein!“, erwiderte Tenten. „Du bist ebenso feige wie dein dreckiger Vater!“ Tenten stieß mit dem Rücken an die Wand und stellte erschrocken fest, dass sie keine Fluchtmöglichkeiten hatte und selbst wenn… sie würde sich hoffnungslos verlaufen und gleich den nächsten Rebellen in die Arme laufen, die sie angreifen würden. Mit oder ohne Gaaras Befehl. Doch noch ehe sie reagieren konnte, packte jemand Karuis Arm, entwand ihr die Waffe und drückte sie an die Wand. „Verschwinde“, zischte Neji, „niemand rührt sie an.“ Karui versuchte sich loszureißen, aber er war stärker als sie. Schließlich gab die Rebellin widerstrebend auf, warf Tenten noch einen letzten hasserfüllten Blick zu und rempelte Neji im Vorbeigehen mit voller Absicht an. „Neji“, flüsterte Tenten, doch er warf ihr nicht mal einen Blick zu und verschwand ohne ein Wort in der Dunkelheit des Ganges. ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Die Rebellen drängten sich dicht in dem gewaltigen Saal zusammen. Bei jeder Bewegung konnte man das Klirren von Waffen hören und aus allen Ecken wurden Gespräche laut, die sich zu einem gewaltigen Stimmengewirr vereinten. Es lag Nervosität in der Luft. Irgendetwas beunruhigte die Rebellen. Tenten saß wie versteinert auf ihrem Platz, warf ab und an Gaara einen Blick zu, doch der schien die Ruhe selbst zu sein. Er musste schon oft solche Situationen erlebt haben, in denen sich die Rebellen einer Macht gegenüber sahen, die der ihren ebenbürtig, wenn nicht sogar überlegen war. Mit der Zeit musste er gelernt haben einen neutralen Gesichtsausdruck aufzusetzen. Gaara wusste genau was er tat, er kannte die Gefahr und wusste gleichzeitig was er tun musste um die Menge zu beruhigen. Er stand auf, blickte in die Runde und mehr brauchte es nicht, damit die Rebellen ihm ihre Aufmerksamkeit schenkten. Die Gespräche verstummten und die Rebellen sahen erwartungsvoll zu Gaara auf. Es mussten fast zweihundert Menschen im Raum sein, die restlichen passten schon gar nicht mehr herein und warteten draußen in den Gängen ungeduldig auf Neuigkeiten. Tentens Augen huschten kurz zu den Menschen, die ihr am nächsten standen. Temari hatte die Stirn gerunzelt und blickte wachsam auf die Menge vor ihr, Kankuro, der zur Rechten Gaaras saß wandte die Augen keinen Moment von seinem Bruder ab. Sasuke Uchiha hingegen schien vollkommen desorientiert und betrachtete ohne auf das Geschehen zu achten sein Spiegelbild in der Klinge, die er sich von Naruto und Lee wieder zurückgeholt haben musste. Tenten fröstelte als sie an ihre Freunde dachte. Was hatte Gaara mit Naruto, Lee und Ino vor? Soweit sie wusste, hatte keiner Narutos Geheimnis erraten, doch würde es sie davon abhalten ihn stattdessen dafür zu verurteilen, dass er sie unterstützt hatte? Und was war mit Ino und Lee? Die beiden waren nur hinein geraten, weil sie ihr helfen wollten! Doch sie kam einfach nicht dazu den Rebellenanführer um eine weitere Audienz zu bitten. Da Gaara in den letzten paar Stunden so beschäftigt war, hatte sich einfach keine Gelegenheit ergeben, was Tentens Nervosität noch mehr steigerte. Einzig Hinata war sicher. Im Augenblick saß sie neben ihrem Cousin und wirkte mit dem angstvollen Blick im Vergleich zu Neji, dessen Züge einen aufmerksamen Gesichtsausdruck angenommen hatten, einfach nur deplatziert. Neji… Nichts deutete darauf hin, dass sich nach ihrer Begegnung irgendetwas geändert hatte. „Rebellen“, riss Gaara, der die Arme ausgebreitet hatte, sie aus den Gedanken. „Ich habe euch etwas mitzuteilen und ich erwarte nicht, dass ihr bleibt, wenn ihr es gehört habt. Die Feiglinge unter euch können sich verkriechen, es ist mir gleich.“ Er sagte es kraftvoll und mit einer Autorität, dass keiner es wagen würde irgendetwas gegen ihn zu sagen. Es war genial. Gaara zog die Grenzen so klar, dass jeder, der sich seinen Wünschen entgegen setzte als Feigling und Verräter galt. Sie alle würden ihm folgen. „Es ist etwas geschehen“, fuhr er fort, „etwas, das zuletzt vor vierzehn Jahren passiert ist.“ Tenten merkte wie die Menge gespannt Atem holte. „Spuck’s schon aus!“, dröhnte Deidaras Stimme aus der Menge hervor, doch Gaara brachte ihn mit einem einzigen eiskalten Blick zum Schweigen. Die Stille war beinahe greifbar. Die Menschen starrten ihn an, manche aufmerksam, andere nervös oder analysierend. Sie warteten ab, aber sie alle hatten nicht mit Gaara Sabakunos nächsten Worten gerechnet. „Mao-Chéng und Orochimaru belagern uns. Es wird nicht lange dauern und sie werden einen Weg finden uns anzugreifen.“ Tenten erstarrte. Seine Worte verfehlten ihre Wirkung nicht. Zuerst war es totenstill, dann brach ein ohrenbetäubender Tumult los. Plötzlich war der Raum von Rufen erfüllt, Gespräche wurden laut und ab und an hörte Tenten die Panik hinter den Worten. Die Menge beruhigte sich erst wieder, als Temari sich aggressiv Ruhe verschaffte. Gaara würdigte die Unterbrechung mit keinem Wort. „Ich habe nachgedacht“, fuhr er dann fort, als wäre nichts geschehen, „sie sind uns zahlenmäßig ebenbürtig und eine weitere Chance, die so günstig ist bekommen wir nicht. Sie kennen sich hier nicht aus, wir schon“, erläuterte er, „und das werden wir nutzen.“ Kaum, dass er geendet hatte bemerkte Tenten wie die Menschen Hoffnung schöpften. Fiebrige Erregung machte sich breit und ihr wurde plötzlich eiskalt. Gaaras Rede erzielte eine Wirkung, die sie nicht erwartet hatte und seine Worte gingen in eine Richtung, die ihr gar nicht behagte. „Es ist Zeit das Schicksal dieses Landes zu wenden“, sagte der Sabakuno, „wir haben lange genug gewartet, … es ist Zeit…“ „An die Waffen!“, brüllte jemand und die Menge bekundete lautstark ihre Zustimmung. Verzweifelt ballte Tenten die Hände zu Fäusten. Viele der Rebellen waren aufgesprungen, manche hatten schon den Raum verlassen und rannten los um die Waffen zu holen. Gaara Sabakuno sah auf die Menge herab, die ihn noch immer erwartungsvoll ansah. „Macht euch bereit“, sagte er dann, „morgen greifen wir sie an!“ Und die Menge schrie ihm Schlachtrufe entgegen. Tenten hielt es nicht mehr länger aus, das Entsetzen schnürte ihr die Kehle zu. „Das könnt ihr nicht machen!“, schrie sie, „das macht alles nur noch schlimmer!“ Doch gegen den Lärm kam sie nicht an und der Anführer der Rebellen beachtete sie nicht. „Wir werden in fünf Gruppen angreifen. Temari und Kankuro werden die rechte Flanke führen, Uchiha, du bist links, Samui…“ „Gaara!“, rief sie, „GAARA! Bitte…“ Ihre Stimme wurde weinerlich. Der Samurai beachtete sie immer noch nicht, oder er hörte sie nicht. „Deidara, du…“ „Gaara!“ Es hatte keinen Zweck, sie stand auf und drängte sich bis zu ihm durch. „Hyuga und ich führen die Sperrspitze des Angriffs…“ „Gaara!“ Er hörte sie nicht. Als sie schließlich bei ihm ankam, packte sie ihn am Ärmel und erregte damit endlich seine Aufmerksamkeit. „Bitte“, flüsterte sie, „das könnt ihr nicht tun…“ Ein Paar türkisfarbene Augen bohrten sich in ihre und beobachteten sie schweigend. „Bitte“, flehte sie noch einmal, „Ihr könnt nicht gegen sie kämpfen, ihr würdet Orochimaru direkt-“ „Ich kann nicht?“, unterbrach er sie leise und es jagte ihr einen eiskalten Schauer über den Rücken. „Niemand sagt mir was ich kann und was nicht.“ Er wandte ihr den Rücken zu und schloss sich den Rebellen an, die im Eilmarsch den Sitzungssaal verließen während Tenten wie erstarrt zurückblieb. Die plötzliche Stille schien sie beinahe zu erdrücken und in ihrem Entsetzen merkte sie nicht einmal, dass Neji zu ihr herüber sah bevor auch er den Raum verließ. Tenten sackte geschlagen in die Knie. Es war vorbei und sie hatte alles falsch gemacht. ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ Es war um Welten schwerer als er erwartet hatte. Immer und immer wieder versuchte er das Bild aus seinem Kopf zu verdrängen. Dieser Blick mit dem sie ihn angesehen hatte und der ihn fast dazu gebracht hätte umzudrehen und ihr zu sagen, dass alles eine Lüge war. Neji schüttete sich das eiskalte Wasser über den Kopf und erschauderte. Sein Blick blieb an der Narbe hängen, die sich von seiner linken Schulter quer über seinen Oberkörper bis zur Hüfte zog. Er hätte in dieser Nacht sterben sollen. Die Hayai hätten ihn töten sollen. Dann hätte er nicht die Wahrheit erfahren. Dann wäre alles anders gekommen. Doch das war es nicht. Das Schicksal hatte ihn schließlich eingeholt. Er war ein Hyuga, ein Überlebender des Clans, der vollkommen vernichtet sein müsste. Nur, dass er nicht tot war… Hier war er ein Held, ein Symbol des Widerstandes ohne, dass er es sein wollte. Er konnte nichts für seine Vergangenheit, doch für die Rebellen war es als wäre durch Hizashi Hyugas Sohn auch er selbst zurückgekehrt. Er erhob sich aus dem Bottich in dem er gebadet hatte und zitterte kurz, als die kalte Luft seine nasse Haut traf. Schließlich trocknete er sich ab und zog sich seine Hose an. Für einen Moment stand er da und dachte an nichts. Eine eigenartige Ruhe hatte von ihm Besitz ergriffen. Merkwürdig, wenn er bedachte, dass er wohl kaum noch einen Tag zu leben hatte. Er machte sich keine Illusionen bezüglich der bevorstehenden Schlacht. Orochimaru und Mao-Chéng würden da sein und, wenn sie erfuhren, dass er überlebt hatte, würden sie alles daran setzen ihn zu töten. Sollten sie kommen! Grimmig verzog Neji das Gesicht. Sollten sie doch kommen und versuchen ihn zu töten. Er hatte nichts mehr zu verlieren und alles in ihm schrie nach Rache für den Tod seines Vaters. Neji konnte sich nicht mehr daran erinnern was er alles gefühlt hatte, als Gaara ihm seine Herkunft enthüllt hatte. Da war so viel gewesen. Wut und Hass auf alle, die seinen Vater in den Tod getrieben hatten. Verlust, Trauer, Verstehen, Verwirrung, … Machtlosigkeit… Er hatte keinen Gedanken mehr an eine Familie verschwendet, seit er begonnen hatte sich mit Hinata allein durchzuschlagen. Damals war keine Zeit gewesen darüber nachzudenken und er hatte den Gedanken an seinen Vater verdrängt. Jetzt war es anders. Die Rebellen ließen ihn keinen Augenblick vergessen wer er war und warum. Wieder dachte er an die Freundschaft seines Vaters mit Mao-Chéng. Mao-Chéng, der ihn bitter verraten hatte und einem dahergelaufenen Mistkerl mehr vertraute als seinem besten Freund. Und er, Neji, hatte unter ihm gedient! Unter dem Mann, durch den er alles verloren hatte! Und er dachte an Tenten. Sie, die ihn mehr verändert hatte als Jahre des Stehlens und des Hungerns. Mehr noch als der Tod seines Vaters. Zum wohl tausendsten Mal fragte er sich, warum er ausgerechnet sie hatte treffen müssen. Warum hatte ausgerechnet sie ihm das Leben gerettet? Warum hatte das Schicksal die beiden Menschen zusammengeführt, die sich mehr hassen sollten als jeder andere? Wütend über sich selbst knallte er die Tür hinter sich zu und machte sich mit mörderischer Miene auf den Weg zurück zu seinem Zimmer. Jeder, der ihm entgegen kam, zuckte unter seinem Blick zusammen und machte ihm hastig Platz. Nach ein paar Abzweigungen des Labyrinths stand er schließlich vor der Tür seines Raumes. Er war froh über die Stille, die ihm entgegen schlug. Niemand hatte es je gewagt ihn in seiner Ruhe zu stören und vor der alles entscheidenden Schlacht gegen Mao-Chéng würde es erst recht niemand wagen. Ohne nach links oder rechts zu sehen, stürmte er durch die Tür. Kaum war er in dem Raum, den außer ihm niemand betrat, atmete er tief durch. Plötzliche Erleichterung durchströmte ihn, er erlangte die Kontrolle über seine Sinne zurück, seine Wut verflüchtigte sich. Neji spürte den leichten Luftzug, der über seinen nackten Oberkörper strich, nicht mal. Ein leises Geräusch ließ ihn zusammen zucken. Die Tür wurde mit einem fast unscheinbaren Laut geschlossen. Ganz langsam drehte er sich um. Tenten richtete sich auf. Die graue Seide ihres Gewandes floss an ihr herunter und folgte ihrer Bewegung. Im dämmrigen Licht glitzerten die silbernen Fäden, die zu einem Muster auf dem Stoff aufgestickt waren. Unter ihrem Gewand trug sie ein hochgeschlossenes Kimonounterkleid von weinroter Farbe, dessen Ärmel ihr bis zu den Handgelenken reichten. Ihr Haar, das ihr fast bis zur Hüfte fiel, wehte leicht hinter ihr her, als sie auf ihn zu kam. Eine erhabene Aura umgab sie, so dass er zum ersten Mal die Macht, die sie inne hatte, wirklich wahrnahm. Nur in ihrem Gesicht erkannte er die Spuren des Leids, die zeigten, dass auch an ihr das Leben nicht spurlos vorbeigegangen war. „Also ist es wahr“, flüsterte sie und wandte ihre Augen keinen Augenblick von seinem Rücken ab. Neji antwortete nicht, Tenten trat einen Schritt näher. Immer noch fixierte sie die feinen weißen Narben, die seinen Rücken wie ein verwinkeltes Spinnennetz überzogen. Momente lang, die ihm wie die Ewigkeit vorkamen, starrte er sie an. Was tat sie hier? Woher nahm sie sich das Recht hier zu sein nach allem was geschehen war? In ihm kochte Wut hoch, wie er es noch nie gespürt hatte. Sie rauschte durch sein Blut, pulsierte in seinen Adern und eine Sekunde lang glaubte er das Verlangen gespürt zu haben ihr etwas anzutun. Tenten schien von alledem nichts mitzubekommen. Mit einem Blick, der an Dreistigkeit erinnerte, sah sie ihn an, beinahe mitfühlend. Mitfühlend! Fast hatte sie ihn erreicht, als er plötzlich herumfuhr und sie wütend anfunkelte. „Was tust du hier!?“ Tenten zuckte zusammen, als hätte er sie geschlagen. „Neji…“ „Was soll das, Tenten?!“, schnitt er ihr das Wort ab, „du hast keinerlei Recht hier zu sein!“ Die Wut in seinem Inneren wurde stärker, sie sollte verschwinden. Sie sollte dahin zurückgehen wo sie hergekommen war. Sollte sie verschwinden in ihre heile Welt und ihn da lassen wo er hingehörte! In die Armee der Rebellen an die Stelle, die einst sein Vater ausgefüllt hatte. Er hatte sein Schicksal begriffen, nur sie wusste immer noch nicht wo ihr Platz war. Kurz wanderte ihr Blick von seinem Gesicht zu seinem Oberkörper, wo er an der langen Narbe hängen blieb, die er Kimimaru verdankte. Neji meinte sie kurz schaudern zu sehen. Dann fanden ihre Augen wieder seine und sie sah ihn fest an, doch er spürte, dass sie damit kämpfte seinem Blick standzuhalten. „Ich weiß“, presste sie schließlich heraus, „ich sollte nicht hier sein, aber, aber… ich will mit dir reden Neji…“ „Es gibt nichts mehr zu reden“, sagte er kalt. Sie schwieg. Und dann war es so still, dass er sogar glaubte keinen von ihnen mehr atmen zu hören. Eine Ewigkeit standen sie nur da. Tenten, die zu Boden sah und er, der versuchte sie nicht zu beachten. Still, so still, als hätten sie sich nichts mehr zu sagen, keine Worte, die es wert waren, erwähnt zu werden. Nichts, dass irgendetwas verändert hätte. Das Leben hatte ihnen eine bittersüße Wahrheit hinterlassen… „Gaara hat mir die Geschichte deines Vaters erzählt“, sagte sie tonlos in die Stille hinein. „Unserer Väter meinst du wohl.“ „Neji, ich hatte keine Ahnung! Mein Vater hat nie ein Wort über Hizashi verloren, er hat nie…“ –„Natürlich hat er das nicht!“, fuhr Neji sie an. Tenten begegnete seinem Blick aus blankem Hass. Die Augen, aufgrund dessen Blicks sie ihm früher ihr Leben anvertraut hatte waren kalt und leer und in ihren Tiefen glaubte sie etwas zu sehen, das er nicht wahrhaben wollte. Trauer… Verletztheit… Einsamkeit… Doch er war nicht der einzige, der gelitten hatte. Tenten raffte die Schultern und starrte ihn an ohne zu blinzeln. „Meine Mutter ist auch gestorben!“ Zum ersten Mal zeigte sein Gesicht so etwas wie eine Regung. Tenten spürte wie sie zitterte. „Wie kannst du denken, dass du der einzige bist, der etwas verloren hat“, flüsterte sie, „dieser verfluchte Krieg hat viel zu viele Leben zerstört.“ Noch immer zitternd trat sie auf ihn zu. „Neji… bitte, du kannst sie aufhalten. Sie dürfen nicht kämpfen!“ Er sah sie durchdringend an und sagte dann: „Du irrst, niemand kann es mehr aufhalten, Tenten.“ „Aber du…“ Er machte drei schnelle Schritte auf sie zu und funkelte sie an. „Was glaubst du eigentlich?! Ich habe meine Seite gewählt, hier gehöre ich hin. Nicht nach Konoha-Gakure, auf einen Dachboden, an einen Ort, an dem man mich gezwungen hat zu leben! Was weißt du schon von mir? Ich bin Hizashi Hyugas Sohn.“ Er lachte freudlos. Tenten blinzelte verletzt. „Das habe ich nicht so gemeint.“ Doch ihre Antwort ging in seinen Worten unter. „Du hattest Recht.“ Er klang beinahe spöttisch. „Der Krieg hat viele Leben zerstört. Er hat mein Leben zerstört und das Leben meines Vaters und ich werde dafür sorgen, dass es nicht umsonst war!“ Dann war er noch näher und mit einer blitzschnellen Bewegung drückte er sie gewaltsam gegen die Wand. Er packte ihre Oberarme und sie keuchte leicht, als er ihre noch immer nicht richtig verheilte Wunde fest umfasste. Seine Lippen waren an ihrem Ohr und Tenten spürte seinen warmen Atem auf ihrer Haut. Und zum ersten Mal fühlte sie noch etwas anderes. Angst… Sie fürchtete sich vor ihm. „Ich bin nicht mehr der, den du kanntest…“ Seine Stimme war nur noch ein Hauch, ein leises Flüstern und dennoch verletzte es sie mehr als jeder körperliche Schmerz. „Du solltest mich hassen, Tenten… “ So schnell wie es geschehen war, war es auch schon wieder vorbei. Sie blinzelte und Neji stand fast zwei Meter entfernt. Tenten merkte wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Die Angst wich etwas anderem, einem Gefühl der Leere. Ihn hassen? Wenn er eins verlangte, dass sie nie erfüllen könnte, dann war es das. Sie konnte wütend auf ihn sein, sie konnte an seiner Seite glücklich sein, sie konnte versuchen ihn zu vergessen, vielleicht könnte sie sogar ihre Trauer besiegen, die sie bei seinem vermeintlichen Tod beinahe zerstört hätte, aber ihn hassen? „Das kann ich nicht…“ „Das solltest du“, erwiderte er. „Du bist nicht so kalt, wie du mich glauben machen willst, Neji.“ Mit einem Anflug von verzweifeltem Mut überwand sie den Abstand zwischen ihnen und legte ihre Hand auf seine Schulter. „Das bist du nicht, Neji… Du warst niemals ein gefühlsloser Mensch.“ Tenten dachte an den kleinen Jungen, der ihr einst von seinem Traum erzählte ein Samurai zu werden um die zu schützen, die er liebte und die, die sich nicht selbst verteidigen konnten. Es war so viele Jahre her und aus ihm war wahrhaftig einer der größten Samurai geworden, die je gelebt hatten. Eine Legende, eine Erinnerung an eine Vergangenheit, die jeder vergessen wollte. Jemand, der das Erbe und die Hoffnung einer ganzen Generation in sich trug. Neji war niemals ein eiskalter Mörder gewesen, niemals vorschnell, niemand, der handelte ohne die gesamte Wahrheit zu kennen. „Egal wie sehr du versuchst mir etwas vorzuspielen, Neji, das bist du nicht.“ „Ach ja?“ Seine Augen funkelten, bohrten sich in ihre und er richtete sich zu seiner vollen Größe auf. „Ich müsste dich töten, Tenten“, sagte er dann mit ruhiger Stimme. Sie zuckte zusammen. „Das, was zwischen unseren Vätern passiert ist“, fuhr er fort, „macht uns zu Todfeinden und alles, das vorher war, wird im Angesicht dieser Tatsache bedeutungslos.“ Neji sagte es, als wäre es etwas Unumstößliches, etwas, dass immer schon da gewesen war nur ohne, dass sie es gewusst hatten. So viel war geschehen und der kleine Junge, der ihr einst so fremd und anders vorgekommen war, hatte sich verändert. War reifer geworden, stärker. Aus dem einst mittellosen Dieb war ein Krieger geworden und aus dem Krieger war jemand geworden, der ihr fremd schien und doch so vertraut. Ihr Blick fiel auf das Brandzeichen auf seiner Stirn und Tenten verstand erstmals die Bedeutung dahinter. Das Mal war ein Zeichen. Das Zeichen eines Todgeweihten, das Zeichen einer verlorenen Vergangenheit, ein Symbol der Hoffnung und eines der Trauer. Ja, Neji hatte sich verändert. Er war derjenige geworden, den sie bedingungslos und gegen alle Logik liebte. „Ich müsste dich töten“, wiederholte er. Und seine Augen sahen plötzlich genauso aus wie in jener Nacht. Unentschlossen und mit diesem Funken von Widerwillen. Tenten wusste nicht, ob es das war, das den Ausschlag gab. Oder aber die Tatsache, dass es das Richtige für ihn wäre sie umzubringen, er es aber nicht tat. Dass er zögerte… In ihrem Hals bildete sich ein Kloß und ein unterdrücktes Schluchzen drang aus ihrer Kehle. Eine allesumfassende Verzweiflung bereitete sich in ihrem ganzen Körper aus. Sie war einen Schritt davon entfernt ihn für immer zu verlieren. Sie spürte wie ihre Augen feucht wurden und es gab nur noch eins, das sie tun wollte. Noch einmal wollte sie es fühlen dieses Gefühl der vollkommenen Schwerelosigkeit. Nur noch ein einziges Mal… Noch immer sah er sie mit dem gleichen Blick an darauf wartend, dass sie irgendetwas sagte. Doch es gab keine Worte mehr um das auszudrücken, das sie empfand. Schneller als er reagieren konnte, war sie bei ihm und tat das Einzige, das sie tun konnte. Jetzt, da alles verloren war. Ihre Hände fanden seine Wangen, sie sah noch wie er sie überrumpelt ansah und dann spürte sie wie ihre Lippen auf seine trafen. Sie versuchte alles in diesen Kuss zu legen. Alles, für das es zu spät war und für das sie nie den Mut gefunden hatte ihm zu sagen. Kurz schien die Zeit stillzustehen, Tentens Herz klopfte in ihrer Brust, dass sie fast glauben mochte, dass Neji es wahrnehmen musste. Und ihre Tränen liefen langsam an ihrer Wange herunter bis sie auch seine Haut berührten. Sie merkte wie er erstarrte, wie sein ganzer Körper taub wurde und wie er rückwärts stolperte. Und dann wich auch sie zurück. Sie sah ihn immer noch an, doch diesmal hatte sie kaum die Kraft ihm in die Augen zu sehen. Ein Tränenschleier nahm ihr die Sicht, alles verschwamm. Die Umrisse des Raumes, das Gefühl in ihrem Körper, Neji, der sie geschockt anstarrte und sich nicht rührte, alles löste sich in nichts auf. „Du hast es immer noch nicht verstanden“, flüsterte sie, „ich hätte alles für dich getan.“ Dann drehte sie sich um. Es war ihr ein bisschen leichter ums Herz. Sie war mutig gewesen und dennoch war es unnütz. Vielleicht, dachte sie, war das der Preis den sie bezahlen musste. . . . Sie ging. Kaum hatte sie die Worte gesprochen, kehrte sie ihm den Rücken zu und hastete Richtung Tür. Auf ihn wirkte es wie eine Flucht. Und ein bisschen wie ein Abschied. Neji wusste, dass er sie nie wieder sehen würde, wenn er sie jetzt gehen lassen würde. Wusste, dass er sie vielleicht das letzte Mal sah. Alle Gefühle in ihm prallten aufeinander. Die Wut über den Tod seines Vaters kämpfte gegen die Schuld sie zum Weinen gebracht zu haben. Seine Logik rang mit seinem Herz und das Glück, das er erfahren hatte mit der unendlichen Trauer. Während er sie betrachtete zogen die Erinnerungen an seinem inneren Auge vorbei. Das kleine Mädchen, das ihn beschimpfte, weil er es bestohlen hatte. Die Tochter des Fürsten, die ihm das Leben rettete, indem sie ihn zum Krieger machte. Die junge Frau, die vor Sasuke Uchiha zurückwich. Tenten, die ihr Leben einsetzte um ein ganzes Land zu retten, selbst, wenn es aussichtslos war. Tenten, die weinte und ihn küsste trotz allem, was er ihr an den Kopf geworfen hatte. Sie öffnete die Tür einen Spalt breit, von draußen fiel Licht herein… „Vertraust du ihr?“, echote die Stimme Sakura Harunos in seinem Kopf, „was ist es, das dich zweifeln lässt?“ In diesem Moment erkannte er, dass er ein vollkommener Narr gewesen war. Wie von selbst setzte sich sein Körper in Bewegung, er packte sie an der Schulter, wirbelte sie zu ihm herum… Die Tür knallte zu und Neji presste sie mit dem Rücken gegen die Tür und küsste sie so heftig als würde sein Leben davon abhängen. Es war egal. Alles war egal. Es zählte nur noch, dass sie bei ihm war, dass er sie berührte und sie nie wieder gehen ließ. „Verzeih mir“, brachte er heiser heraus bevor er ihre Lippen wieder und wieder mit seinen versiegelte, „verzeih mir…“ Ihre Tränen waren noch nicht getrocknet, als er plötzlich bei ihr war, die Hände an ihr Gesicht legte und mit einer Leidenschaft seine Lippen auf ihre presste, die sie ihm nie zugetraut hätte. Nejis Arme umschlossen sie vollkommen und sie spürte die Hitze, die von seinem Körper ausging, durch ihre Kleider hindurch. Immer und immer wieder flehte er, sie möge ihm verzeihen und Tenten musste nur noch mehr weinen. Doch sie merkte es kaum, denn er hatte alles in ihr in Flammen gesetzt. Sie waren Feuer, sie waren Glut, sie waren Hitze und Asche zugleich. Es gab keine Gedanken mehr, keine Worte, die gesagt werden müssten und Tenten verzieh ihm stumm. Seine Hand strich an ihrem Arm entlang, bis zur Hüfte, wo sie einen kurzen Moment verweilte, dann drückte er sie so stark an sich, als glaubte er, sie würde verschwinden, wenn er losließ. Tenten schlang ihre Arme um seinen Hals und küsste ihn abermals. Nejis warmer Atem traf auf ihre Haut, er küsste ihre Augen, ihr Haar, ihre Stirn und sie schmiegte sich an ihn. Ihre Körper drängten sich so dicht aneinander, dass Tenten irgendwann nicht mehr wusste wo sie aufhörte und Neji begann. Der Stoff ihres Kleides fühlte sich auf seinen nackten Armen auf einmal seltsam rau an und plötzlich waren seine Lippen an ihrem Hals, fuhren sachte darüber und ließen sie erschaudern. Und dann küssten sie sich wieder so stark, dass ihr schwindlig wurde. Tenten wollte ihm so viel sagen, doch alles was sie herausbrachte war sein Name. Immer und immer wieder. Sie fuhr durch sein Haar, streifte sein Ohr und zog ihn noch näher an sich heran. Die Wirklichkeit verschwamm, aber was war noch wirklich? Seine Augen schienen in der Dunkelheit noch heller, als er innehielt und sie ansah. Ihre Gesichter waren kaum eine Handbreit voneinander entfernt, als Neji seine Stirn gegen Tentens lehnte und ihren Geruch einatmete. Sie sahen sich an und blieben eine Ewigkeit vollkommen still. Eine Strähne fiel Tenten ins Gesicht und kitzelte ihre Wange. Sanft strich er sie hinter ihr Ohr und Tenten fiel erstmals die Form seiner Hände auf. Es waren schöne Hände. Seine Finger waren lang und geschmeidig und der Hautton schimmerte perlmuttfarben. Tenten dachte daran, was diese Hände schon alles getan hatten. Sie hatten gestohlen, getötet, gekämpft… und sie beschützten sie… Neji wusste nicht genau warum er innehielt, aber irgendetwas in ihm wollte sie ansehen. Sehen wie sie ihn ansah, sehen wie ihre Gefühle ihre Augen erreichten. Er spürte ihren warmen Körper nahe an seinem, seine Hand berührte die samtweiche Haut ihrer Wange und er wollte nichts lieber als ewig zu verweilen. Es war solange her, dass er jemandem so nah gewesen war, es war noch länger her, dass ein anderer Mensch ihm das Gefühl gab nicht allein zu sein. Sie schaffte es mit nur einem einzigen Blick. Alle Sorgen, all die angestaute Wut, all die Hilflosigkeit fiel von ihm ab. Es war ein merkwürdiges Gefühl nichts mehr fürchten zu müssen. „Neji“, murmelte sie und sah schüchtern zu ihm auf. Ihm war bis zu diesem Moment noch nie aufgefallen, dass sie einen guten halben Kopf kleiner war, als er. Tentens seidiges Haar, das gewellt über ihre Schultern fiel, schimmerte im gedämpften Licht kastanienbraun. In ihren Augen las er Wärme, Erleichterung und etwas, das er nicht benennen konnte. Vorsichtig berührte sie seine Wange, nahm sein Gesicht in beide Hände, als würde sie immer noch nicht glauben, dass das wirklich passierte. „Neji…“ Ihre Stimme war nur ein Hauch, nicht mehr. „Ich bin so froh, dass du noch lebst“, sagte sie. Und dann, als könnte sie sich nicht mehr zurückhalten: „Als die Nachricht kam du seist… du seist…, ich konnte nicht mehr weiter, ich kann nicht mehr weiter“, korrigierte sie sich, „die ganze Zeit… ich wollte nur, dass es aufhört und … und … und dann warst du plötzlich wieder da. Neji, lass mich nie mehr allein, ich … ich… ich habe keine Kraft mehr und-“ Weiter kam sie nicht. Neji nahm ihre Hände von seinem Gesicht, hielt sie fest und küsste sie abermals. Diesmal so fordernd, dass sie erschrocken zusammenzuckte. Dann blinzelte sie und drückte sich ihm entgegen. Seine Lippen strichen sachte über ihre, zupften leicht an ihrer Unterlippe. Doch sie wich nicht zurück. Die Hitze kroch in ihm hoch, verteilte sich in seinem ganzen Körper bis er sie in den Fingerspitzen spürte und er wusste, dass es ihr genauso ging. Dies war intensiver, intimer, stärker als alles, was er bislang erlebt hatte. Langsam bewegte er sich auf sie zu und Tenten wich noch langsamer zurück. Es war wie ein Tanz, dessen Schritte sie nur nach und nach lernten. Irgendwann stießen ihre Kniekehlen gegen etwas Weiches. Seine Schlafstätte…Tenten knickte ein, fiel auf die unordentlich hingeworfene Decke und nun beugte sich Neji vorsichtig über sie. Ihre Haare breiteten sich wie ein Schleier um ihren Kopf aus, ihr Brustkorb hob sich mit jedem Atemzug. Kurz schienen ihre Lippen zu beben, aber ihr Blick wich keine Sekunde von seinem ab. Und die Zeit schien stillzustehen, als er sich ebenfalls herunterbeugte. Das Licht einer Fackel beleuchtete den Raum, flackerte leicht und warf ihre Schatten an die Wand. Neji sah sie an, Amaterasu lag vergessen auf dem Boden, ebenso wie Ryujin. Tenten erwiderte seinen Blick und lächelte. Dann legte sie die Hände an sein Gesicht und zog ihn zu sich herunter. Der weiche Stoff unter ihr, gab kurz unter seinem Gewicht nach, doch keiner von ihnen beachtete es. Tenten bemerkte nicht mal, dass sich ihr Gewand gelöst hatte, sah nicht wie er die beiden Teile der Kette betrachtete, die sie seit seinem angeblichen Tod immer unter ihrer Kleidung getragen hatte. Im gedämpften Licht des Feuers wirkte ihre Haut weich, ein wenig blasser als zuvor. Die beiden Anhänger der Kette, Yin und Yang, fielen mit einem leisen Aufschlag zu Boden, als er die Verschlüsse öffnete, und die Nacht glitt an ihnen vorbei. Unendlich langsam strich er ihr die Seide von den Schultern und Tenten streckte ihre in der Dunkelheit fast silberne Hand nach ihm aus und berührte sanft die Narben auf seinem Körper. Narben, von denen sie gewusst hatte, dass sie eines Tages seine Haut übersähen würde, doch nicht so bald. Während er sie betrachtete, erkannte er plötzlich, dass es nicht nur Narben gab, die Waffen schlagen konnten. Sie beide waren verletzt worden, doch die wirklich verheerenden Narben waren nicht die, die man sehen konnte. Sie beide hatten diese Narben davongetragen. Vielleicht würden sie heilen, vielleicht nie. Es brauchte Zeit sich darum zu kümmern, Zeit, die sie nicht hatten. Tenten richtete sich auf und umarmte ihn. Es war eine Umarmung wie die einer Mutter, die er nie gehabt hatte. Sanft, fest, sicher… Die graue Seide flatterte durch die Luft und bedeckte die beiden Schwerter auf dem Boden, ihre seidigen Haare fielen über ihren nackten Körper… Morgen würde alles zu ende sein. Morgen würde sich alles verändern, aber diese Nacht gehörte ihnen. Niemand war mächtig genug sie jetzt voneinander zu trennen. Und Tenten fragte sich wie sehr man jemanden lieben konnte, dass alles andere bedeutungslos wurde. Wie sehr konnte man jemanden lieben, dass all das Geschehen der Vergangenheit nicht mehr zählte, dass es egal war, wer sie war und wer er war? Niemals würde sie eine Antwort finden, doch es machte nichts. Nicht jetzt… Neji fühlte alles. Sie war alles, das er wollte und alles, das er nicht haben konnte. Doch es war leicht zu vergessen in dieser stillen Nacht. Es war so leicht… Er wünschte sich, dass der Morgen nicht kommen mochte, denn dann musste er sie zurücklassen. Sie, die ihn aus der Dunkelheit geholt hatte und ihm gezeigt hatte, wer er wirklich war. Auf einmal war er sich nicht mehr sicher welche Seite er gewählt hatte. War er wirklich mit seinem ganzen Sein auf der Seite der Rebellen? War er auf der Seite des Fürsten, auf der seines Vaters? Oder hatte er bereits vor langer Zeit eine Seite gewählt, damals als er noch ein Kind war? Das Leben hatte ihnen ein Schicksal gegeben, das er nicht verstand. Ihre beiden Wege waren verworren, hatten zu diesem einen Treffen geführt als sie Kinder waren und dann … ja dann… Sie hätten Feinde seien sollen, das wusste er, aber sie waren es nicht. Selbst die Geschichte ihrer Väter hatte es nicht fertig gebracht, dass sie sich voneinander abwandten. Tenten hätte ihn hassen sollen, das hätte alles so viel einfacher gemacht, aber jetzt, da sie ihm leicht unsicher zulächelte, wusste er, dass nichts in der Welt sie dazu bringen konnte. Er konnte sie verspotten, er konnte ihr alles nehmen, er konnte sie verletzen und sie würde ihn dennoch nicht hassen. Und er konnte sich nicht dazu bringen, dass er sie hasste und sich ein für alle mal von ihr abwandte. Ja, das Schicksal spielte ein seltsames Spiel mit ihnen. Hauchdünner Schweiß überzog ihre Körper, auf einmal war seine Kehle trocken, sein Herz raste… Lippen trafen sich zu einem Kuss, der in einen nächsten floss und in noch einen bis sie nahtlos ineinander übergingen. Es sollte nicht geschehen. Er sollte die Macht haben, es aufzuhalten, doch er hatte sie nicht. Manche Dinge konnte man nicht aufhalten. Einen ungebrochenen Willen, die Macht der Natur, Hass… Liebe… das Schicksal… Für manches gab es keine Antwort… Neji wusste, er würde es bereuen. Tenten hatte etwas Besseres verdient als ihn. Jemanden, der sie wahrhaft vor Leid beschützte. Nicht jemanden, der sie immer und immer wieder verletzte, doch es war egal… Er starb sowieso… Da konnte er auch das noch tun. Der Rausch nahm ihn gefangen, Neji spürte ihn in jeder Phase seines Körpers, in jedem Atemzug, in jeder Berührung ihrer nackten Haut… In der Dunkelheit konnte Neji ihr Gesicht nicht richtig erkennen, doch er spürte ihn, diesen Blick, der alles in ihm erstarren ließ. Sie schloss die Arme um ihn und für einen Moment kam es ihm so vor, als hätte sie Angst, dass er fort war, wenn sie los ließ. Vielleicht war es aber auch nur, weil ihm immer noch ihre Worte durch den Kopf schwirrten. Lass mich nicht alleine. Neji wünschte, er könnte ihr Gewissheit geben, dass es nicht so war, aber das wäre eine Lüge gewesen. Es dauerte nur noch wenige Stunden bis sich ihre Wege für immer trennen würden, aber in dieser wenigen Zeit wollte er diesen Traum festhalten. Einen Traum, denn etwas anderes war es nicht. Eine törichte Hoffnung, so klein, so unbedeutend, doch eine Hoffnung… Noch während er die Worte aussprach, wusste er, dass er sie nicht würde halten können. „Ich bleibe bei dir…“ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ~ ... Ich widme dieses Kapitel meiner guten Freundin, hiatari, die schon ganz heiß darauf war, DIESES Kapitel zu lesen. Tja, hia-chan, jetzt denken alle du bist pervers, weil du dieses Kapitel haben wolltest XDD Na ja, mal ehrlich. Ich bin hin und her gerissen von Verlegenheit und Stolz. Ich bin nicht der Typ einen 'herkömmlichen' Lemon zu schreiben, es ist nicht so 'heiß' wie bei anderen, aber das wäre auch nicht mein Stil. Ich habe lange überlegt wie ich es schreibe, ich hätte es geschafft das ganze detailliert zu schreiben, aber ich wollte, dass es etwas wird über dass man nicht nachdenkt. Etwas, das an einem vorbei zieht und das die Beziehung zwischen Neji und Tenten vertieft. Daher ist es eher eine verzweifelte Romantik geworden, die meiner Meinung nach besser vor eine Schlacht passt, als ... nun ja, der andere Kram XDD Ich hoffe ihr mochtet es, schließlich gab es bei mir lange keine Romantik mehr *seufz* Und zum Schluss bedanke ich mich ganz recht herzlich bei Votani, die es mir in Rekordzeit gebatet hat. Ganz viele liebe Grüße ans andere Ende der Welt, Votani :) Alles Liebe moony Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)