Harry Potter und der Halbblutprinz von Orange-Glass ================================================================================ Kapitel 21: Unruhig ------------------- Severus Snape saß bleich und in Gedanken versunken auf dem Boden, den Rücken an die kalte Brüstung gelehnt. Er war so ein Narr. Er hatte Harry nicht so vor den Kopf stoßen wollen, aber dessen Unnachgiebigkeit hatte ihn einfach die Geduld verlieren lassen. Dabei war das ganze nicht mal Harrys Schuld sondern nur seine. Severus Snape, der zu stolz und stur war um zu dem einzigen Menschen, der ihn liebte, ehrlich zu sein. Was war so schwer daran, Harry zu sagen, dass er sich heute nicht gut fühlte? Was, bei Salazar, war so schwer daran, sein Problem einfach zuzugeben? Harry war vielleicht jung, aber nicht blöd. Er würde wohl durchaus Verständnis für seinen alten Lehrer haben. Aber nicht, wenn der ihn einfach anfuhr und nichts erklärte. Severus seufzte und vergrub sein Gesicht in den Händen. Ein kühler Windstoß ließ ihn frösteln, doch er bewegte sich nicht vom Fleck. Die Enge des Schlosses würde er jetzt nicht ertragen. Er musste mit Harry reden. Gleich morgen. Er würde ihm alles erklären und hoffen, dass Harry verstand. Wieder seufzte er vernehmlich und ließ sich die Brüstung herunter gleiten, bis er auf dem kalten Steinboden lag und nichts mehr sah als schwarzen Himmel und tausende Sterne. Er wusste, dass er hätte aufspringen und Harry hinterher eilen können, doch dazu fehlte im im Moment einfach die Kraft. Dass sie im Grunde nur wenige Meter voneinander trennten, wusste er nicht. Zwei Männer, die die Welt nicht mehr verstanden, die sich in Vorwürfen und Selbstmitleid verloren. Ihnen beiden fehlte Kraft. Snape versuchte, den Kopf frei zu bekommen. Morgen würde er über seinen Schatten springen und seine Schwäche vor Harry offenbaren. Er würde ihn verstehen und ihm vergeben und in Zukunft würde er versuchen, ihm gegenüber nicht mehr so unnötig stolz zu sein. Irgendwann schlief er über seine Gedanken ein und er wachte erst wieder auf, als anderthalb Stunden später eine Regenwolke entschied, sich über Hogwarts zu entleeren. Snape brauchte einen Moment um sich zu erinnern wo er war und weshalb er sich so traurig fühlte. Währenddessen lag Harry in seinem Bett und konnte nicht einschlafen. Unruhig wälzte er sich zwischen seinen Kissen hin und her. Eigentlich wäre er am liebsten aufgestanden und hätte Severus gesucht, aber er hatte das Gefühl, dass immer er es war, der nach einem Konflikt angekrochen kommen musste. Und so raufte er abwechselnd seine Haare, trat seine Decke von sich und stampfte die Faust in sein Kissen. Schließlich schlief auch Harry ein, doch es war kein erholsamer Schlaf. Als Harry am nächsten Tag erwachte, hatte er fürchterlich schlechte Laune. Am liebsten wäre er einfach den Rest des Tages im Bett geblieben, aber dann hätte er nicht viel vom Sonntag und so entschloss er sich, doch noch aufzustehen. Er hoffte nur, er würde Severus nicht begegnen, er fürchtete, er könnte sich nicht zusammenreißen und würde ihm vor allen anderen irgendetwas Fieses an den Kopf werfen. Schlechtgelaunt stapfte Harry die Stufen zum Gemeinschaftsraum herunter, der seltsamerweise völlig leer war. Wahrscheinlich waren alle noch beim Frühstück. Harry war nicht nach essen, und so beschloss er, einfach ein bisschen durchs Schloss zu wandern um einen freien Kopf zu bekommen. Wenn schon alle beim Essen saßen, sollte man die seltene Ruhe auf den Gängen ausnutzen. Harry stapfte missmutig durch die Gänge, grübelte über Severus komisches Verhalten und warum er so ausgetickt war. Dann schüttelte er den Kopf, eigentlich wollte er doch nicht mehr darüber nachdenken, schalt er sich selbst und versuchte, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Da ihm keine interessante Ablenkung einfiel, begann er im Vorüberlaufen die dunklen Steine in der Wand zu zählen. Er hielt sich von den breiten Hauptgängen fern, denn dort traf man auch während den Essenszeiten vereinzelte Schüler. Richtig helfen tat das Steine-Zählen zwar nicht, denn er verspürte meist nur das Bedürfnis, die Steine aus der Wand zu schlagen, aber so kam es ihm immerhin so vor, als würde er sich irgendwie sinnvoll beschäftigen. Er war so vertieft, dass er nicht bemerkte, dass er auf einmal nicht mehr alleine im Gang war und so lief er in Neville Longbottom hinein. Dieser war so verdutzt, dass er sich auf den Hintern setzte und Harry mit großen Augen ansah. "Da bist du ja, ich hab dich gesucht" "Äh Neville. Tut mir leid", antwortete Harry fahrig und streckte eine Hand aus um dem Freund hochzuhelfen, "Was gibt's denn?" "Komm einfach mit, ich muss dir das zeigen. Ist schwer zu beschreiben" Neville ging ein paar Schritte vor und schaute dann zurück um zu sehen, ob Harry ihm nicht folgen wollte. "Na komm schon!" Ein breites Lächeln für über das Gesicht des Jungen und obgleich Harry eigentlich lieber alleine sein wollte, folgte er ihm. Vielleicht würde ihn Gesellschaft ja doch von seinen Wutphantasien ablenken. Und wenn nicht, konnte er sich noch immer aus dem Staub machen. Sie eilten durch einige Gänge und über enge Treppen, während Neville munter vor sich hinplapperte und Harry nur mürrisch und kurz angebunden antwortete. Als Harry endlich bemerkte, wohin sie gingen, war es schon zu spät. Neville hatte den Zauberstab gezogen und rief "Stupor!" während ein bösartiges Grinsen seine Lippen umspielte, dass er von Neville niemals erwartet hatte. Dann wurde alles schwarz. Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)