So finster wie die Nacht von BinaLuna ================================================================================ Kapitel 2: Vampirgeruch ----------------------- So finster wie die Nacht Kapitel 2 ~ Vampirgeruch „Verdammt!“ Monas Laune hatte einen Tiefpunkt erreicht, zu dem sie vor einer halben Ewigkeit zuletzt gekommen war. Sie rieb sich die schmerzende Stelle an ihrem Arm und bemerkte mit wütendem Blick, dass der Sonnenaufgang nicht mehr allzu lang auf sich warten lassen würde. Sie musste zum Anwesen des Ordens zurückkehren, wenn sie nicht zu Staub zerfallen wollte und natürlich passte es ihr gar nicht, dass Katherine sie dabei wohl begleiten würde. „Du siehst nicht aus, als wärst du sonderlich erfolgreich gewesen“, vernahm sie die Stimme der verhassten Person sogleich. Mona rollte mit den Augen, als sie zu Katherine aufblickte, die über ihr in der Luft schwebte. „Halt die Klappe!“, fuhr die Schwarzhaarige die andere Vampirin an. „Unhöflich wie eh und je“, gab Katherine zurück, doch Mona ließ sich nicht zu einer weiteren Bemerkung hinreißen. Sie besah sich lieber die Wunde, die sie davongetragen hatte, als dieser Mann sie berührt hatte. Ihre Haut sah aus, als wäre sie verbrannt worden, wenn auch nicht sonderlich schlimm. Aber obwohl sie normalerweise über gute und schnelle Selbstheilungskräfte verfügte, machte diese Brandverletzung keine Anstalten, sich zu schließen und der Schmerz war nach wie vor noch nicht abgeklungen. Es war fast so, als wäre sie mit Silber in Berührung gekommen, aber sie war sich sicher gewesen, dass der Fremde sie nur mit der bloßen Hand berührt hatte. Wie konnte das sein? Diese Frage schoss der Vampirin durch den Kopf, während sie zielstrebig auf das Anwesen zusteuerte. Nach einiger Zeit landete sie auf dem Fenstersims ihres eigenen Zimmers und ließ Katherine damit hinter sich, die zweifellos nicht mehr die Zeit haben würde, sie sogar bis in ihre eigenen Räumlichkeiten zu verfolgen, denn es dämmerte bereits und die Sonne würde ihrem Treiben ein Ende machen. „Gerade noch geschafft“, seufzte Mona und ihr Blick fiel auf ihren verletzten Arm. Das war eine merkwürdige Nacht gewesen, und die Vampirin hatte ihren Durst noch immer nicht stillen können, was ihr gewiss einige Probleme bereiten würde, denn sie hatte den Blutdurst schon viel zu lange ignoriert. Resigniert zog Mona den schwarzen Vorhang vor ihr Fenster und kroch dann erschöpft in ihr Bett. Im Gegensatz zu den meisten anderen Vampiren bevorzugte die Schwarzhaarige ein richtiges Bett und vermied es, wenn möglich, in ihrem Sarg zu schlafen. Manch einer hielt sie deshalb für sehr leichtsinnig, denn ein einziger Sonnenstrahl würde schon reichen, um sie zu verbrennen. Aber Mona hatte einige Maßnahmen zu ihrem Schutz getroffen, so würde der schwarze Vorhang ihres Himmelbettes sie ganz sicher vor der Sonne bewahren. Die Vampirin mochte ihr Bett und so ist es auch nicht verwunderlich, dass sie beinahe sofort einschlief, als sie sich erst mal hineinbegeben hatte. An Schlaf war nicht mehr zu denken gewesen, nachdem sie den vermeintlichen Einbrecher in die Flucht geschlagen hatten. Sie waren einfach alle drei viel zu aufgewühlt und da es auch bereits früher Morgen war, hatten June, Jason und Ryan beschlossen, einfach gleich wach zu bleiben. Ryan ging der Gedanke nicht aus dem Kopf, wie der Einbrecher es überhaupt in die Wohnung von June geschafft hatte. Weder an der Eingangstür, noch sonst wo waren Einbruchsspuren zu sehen und gestohlen worden war auch nichts. Aber vor allem quälte den Braunhaarigen die Frage, wie der Einbrecher so schnell und gezielt fliehen konnte, ohne Krach zu machen oder Spuren zu hinterlassen. Lediglich ein langes, schwarzes lockiges Haar hatte er gefunden. Er hatte es auf Junes heller Bettwäsche gesehen und eingesammelt, davon jedoch keinen Ton zu June oder Jason gesagt. Denn dieses lange Haar, so dachte Ryan, ließe vielleicht auf eine Frau als Täterin schließen. Unklar war nur, was sie wollte, denn immerhin fehlte ja nichts und das war es, was Ryan die ganze Zeit so stutzig machte. So wollte er nun erst mal seinen Gedanken nachgehen und logische Schlussfolgerungen ziehen, bis er etwas zu June oder Jason sagte. Denn zu seinem Leidwesen zweifelte Jason ein wenig an, dass überhaupt jemand dagewesen war. Es erschien einfach unmöglich, durch ein Fenster des vierten Stocks zu gelangen und so hatte Jason die Vermutung geäußert, June könne vielleicht auch einfach einen schlechten Traum gehabt haben. Als die Tür klappte, schob Ryan seine Gedanken erst mal beiseite und er ging in die Küche, wo Jason gerade die frischen Brötchen vom Bäcker auf den gedeckten Tisch stellte. „Da, er hat wieder ein Tor geschossen!“ „Ja, ich weiß, er ist ein toller Hecht. Aber er wird dich trotzdem nie beachten“, seufzte Jessica, die mit ihrer besten Freundin Lilian am Rande des Fußballfeldes der Schule stand und das Trainingsspiel der Schulmannschaft gemeinsam mit ihr beobachtete. „Sei nicht so gemein!“, fauchte Lilian, die eben noch quietschvergnügt den Spielverlauf verfolgt hatte und ihrer Freundin nun einen bösen Blick zuwarf. Sie wusste ja selber, dass der Star des Fussballclubs sie bisher noch keines Blickes gewürdigt hatte, und dass, obwohl er sogar in ihre Klasse ging. Dennoch kam sie jeden Morgen, wenn Training war, zum Fußballplatz und beobachtete ihn beim Spielen. „Sorry, aber ich mag eigentlich nicht gern jeden Morgen früh aufstehen, nur um den Jungs beim Spielen zuzusehen...“, sagte Jessica entschuldigend. „Schon ok. Du musst ja nicht immer mitkommen“, meinte Lilian, aber Jessica wiedersprach sofort. „Doch, muss ich, sonst quietschst du mir die Ohren am Handy voll....“ „Upsi“, gab Lilian verlegen zurück und wusste genau, dass ihre Freundin Recht hatte. Das Trainingsspiel war just in dem Moment zu Ende und die Mannschaft ihres Schwarms Jason hatte natürlich gewonnen, wie so oft. Lilian freute sich unendlich und war gleichzeitig ein wenig traurig, denn sie wusste, dass er von ihr wohl auch diesmal keine Notiz nehmen würde. Sie fragte sich, ob das an ihrem Äußeren lag. Ihre weißblonden Haare waren hüftlang und glatt, sie fielen ihr, wie sie fand, wie Spaghetti vom Kopf, weswegen sie auch gern einen Zopf trug. Ihre hellbraunen Augen waren wohl eher unscheinbar und mit ihrer Größe von nur 1,56m konnte man sie ja auch mal schnell übersehen, wo sie doch zusätzlich sehr schmal und dünn war. Sie verzichtete auf Make-up, weil sie fand, dass das nicht zu ihrer blassen Haut passte und ihre Schuluniform saß immer tadellos – nicht, wie bei anderen Mädchen, die den Rock gern mal etwas kürzer trugen, als er eigentlich sein durfte. Ihre Noten in der Schule waren durchaus gut, sie gab ihren Eltern nie Grund zur Besorgnis. Und doch war Lilian anders als andere, auch wenn das niemand wissen durfte. Sie war eine Hexe. Ganz ohne Warzen und andere Klischees, aber dennoch eine Hexe. Sie konnte mit reiner Willenskraft Gegenstände bewegen und noch ein paar andere Sachen bewerkstelligen, aber das musste natürlich geheim bleiben. Auch ihre Mutter gehörte dem Zirkel der Hexen an und so hatte Lilian ihre Kraft geerbt. Es fiel der jungen Schülerin schwer, nicht mit ihren Fähigkeiten anzugeben, um Jason, den tollen Fußballer, auf sich aufmerksam zu machen oder sich damit anderweitig beliebt zu machen. Aber sie wusste, dass ihre Kräfte niemals publik werden durften. Nicht mal Jessica wusste davon, dabei hätte sich Lilian so gern jemanden gewünscht, mit dem sie hätte reden können – außer ihrer Mutter. Im Zirkel der Hexen Englands gab es keine weiteren jungen Mädchen, alle anderen Mitglieder waren um so vieles älter als sie und ein bisschen fühlte sie sich verloren, wenn sie zu den Treffen gehen musste. Als es zur ersten Stunde läutete, schob sie ihre Gedanken über ihre Kräfte einfach beiseite, wie so oft, und ging mit Jessica in ihren Klassenraum. Wie der Zufall es wollte, ging Jason nur wenige Schritte vor ihr her und Lilian meinte beinahe, dass ihren wilden Herzschlag jeder in der Nähe hören können müsste. Doch dann nahm sie etwas wahr, dass sie erschrecken ließ. „Vampirgeruch“, murmelte sie, nicht hörbar für andere. „An Jason ist Vampirgeruch.“ Ihre Augen verfärbten sich von hellbraun zu gelbgold, bevor sie vor Schrecken das Bewusstsein verlor. Fortsetzung folgt.... Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)