Dead Society von Gepo (Die Hoffnung stirbt zuerst) ================================================================================ Kapitel 75: Berufswünsche ------------------------- Ich bin bis Sonntag dann mal wieder verreist, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen in der Zeit ^.- Und wie gewünscht: Kaiba ist zurück! Wie ich sehe, wurde er ja schon vermisst ^.- An dieser Stelle möchte ich mich auch noch mal herzlich für die vielen Kommentare bedanken! Das bedeutet mir viel ^.^ Danke, dass ihr reflektierende und kritische Reviews schreibt, so kann auch ich mich weiterentwickeln - und ihr kriegt etwas Besseres zu lesen ^.- Genug geschwafelt, nächstes Kapitel nächste Woche, hier kommt dieses, viel Spaß damit ^.^ _________________________________________________________________________________ „Es wird wirklich Zeit, dass ich dir die Busverbindung raussuche und dir den Weg zur Haltestelle zeige…“, meinte der Brünette mit einem Seufzen, drehte den Autoschlüssel und warf so den Motor an, „Es kann nicht angehen, dass ich dich jedes Mal durch die Gegend kutschiere.“ „Entschuldigung…“, murmelte der Jüngere, „Danke für’s Abholen.“ „Schon gut… ich habe ja sonst nichts zu tun.“, Kaiba schnaubte, „Dafür möchte ich gleich Mittagessen. Deal?“ „Ja.“, der Blonde schenkte ihm ein Lächeln, „Irgendeinen Wunsch?“ „Kein Fisch. Ansonsten das, was auf deinem Ernährungsplan steht.“, er setzte den Blinker, hielt, sah sich um und fuhr auf die Straße, „Anbei, hast du seit dem Frühstück gestern überhaupt etwas gegessen?“ „Nö.“, Katsuya erfühlte etwas Ungewohntes in seiner Jackentasche und erkannte es als sein Gehalt – Marik musste es ihm hinein getan haben, nachdem er gestern mit Yami abgehauen war. Er sollte ihm vielleicht mal danken, dass der Ältere das jedes Mal mit dem Chef für ihn regelte. „Ich wette, so war das nicht vom Arzt gedacht.“, riss Kaiba ihn aus seinen Gedanken, „Außerdem dürftest du an noch keinem Tag die fünf Mal Obst oder Gemüse eingehalten haben, oder?“ „Öhm… nicht so wirklich…“, gab der Blonde zu. „Du isst weit weniger als auf dem Plan und selbst der ist schon Unterernährung angepasst. Willst du umkippen?“ „Ich kann auf mich selbst aufpassen, okay?“, erwiderte er etwas ungehalten. „Ich mache mir nur Sorgen.“, gab der Ältere etwas ruhiger zu, „Mit so etwas ist nicht zu spaßen. Nebst der Tatsache, dass ich diesen Pflegeantrag nicht durchkriege, wenn du keine physische sowie psychische Besserung aufweist. Übrigens müssen wir morgen wieder zum Arzt, dir muss noch einmal Blut abgenommen werden. Bezüglich der physischen Besserung.“, den letzten Satz sprach der Lehrer etwas schärfer aus. „Ich bin immer wieder froh, dass sie mir so etwas vorausschauend früh sagen…“, konterte der Blonde. „Was soll dieser Tonfall, Junge?“ „Hätte ich das früher gewusst, hätte ich vielleicht etwas verantwortungsbewusster gehandelt. Sagen sie mir so etwas früher statt sich zu beschweren. Ich kann mir so etwas nicht einfach selbst denken.“, kritisierte er Kaiba. „Auch ohne diese Umstände hätte ich dich für vernünftiger gehalten.“, wies der Ältere ihn zurecht. „Können sie verstehen, dass ich einfach keinen Hunger spüre? So ein Gefühl kommt bei mir auf, wenn ich tagelang nichts gegessen habe, vorher nicht. Ich bin es einfach nicht anders gewohnt.“ Die blauen Augen richteten sich stur auf die Straße, während deren Besitzer nach einigen Schweigesekunden sagte: „Daran habe ich nicht gedacht, das gebe ich zu.“ „Und ich habe nicht an den Pflegeantrag gedacht.“, gestand der Blonde im Gegenzug ein, „Quitt?“ Wie erwartet gab der Ältere ihm darauf keine Antwort. „Und, was machen sie heute?“, fragte Katsuya den Lesenden, während er das Hühnchen leicht anbriet. „Wonach sieht es denn aus?“, erwiderte der Brünette ohne aufzusehen. „Wollen sie denn ganzen Tag lesen?“ „Und dabei nicht gestört werden.“ Na ganz toll. Ging das noch unfreundlicher? Was hatte der denn schon wieder für eine Laune? So sehr konnte er Sex doch gar nicht vermissen. Oder war er sauer, dass er die ganze Nacht mit Yami weg war? Ob er glaubte, dass da etwas zwischen ihnen gelaufen war? „Ich habe nicht mit ihm geschlafen, falls es das ist.“ „Und was habt ihr dann die ganze Nacht gemacht?“, Treffer versenkt… „Gequatscht. Wie sie vielleicht bemerkt haben, sind die Ausuferungen meiner Identitätskrise ein bisschen abgeflaut.“, wie eine überdrehte Frau verhielt er sich zumindest nicht mehr. „Unübersehbar. Übrigens wäre ich sehr froh es nächstes Mal zu erfahren, wenn du die ganze Nacht wegbleiben willst.“, bemerkte der Ältere, ohne dass sein Unterton auch nur um ein bisschen auftaute. „Entschuldigung… über die Gespräche haben wir das irgendwie… vergessen. Nächstes Mal denke ich dran.“, der Blonde wandte sich wieder der Pfanne zu. Kaiba hatte kein einziges Mal von seinem Buch aufgesehen. „Ein nächstes Mal gibt es erst, sobald du ein eigenes Handy hast. Das werden wir morgen auch einkaufen. Badesachen und einen Bademantel brauchst du auch. Und Hausschuhe. Und noch ein paar Sätze Unterwäsche und Socken, ich habe keine Lust andauernd zu waschen. Waschpulver brauchen wir auch. Und Lebensmittel. Du schreibst eine Einkaufsliste dafür – bis heute Abend.“, wies der Lesende ihn an. „Soll ich nachher waschen?“, bot der Jüngere an. „Das macht die Maschine. Und die lief gestern. Du kannst die Sachen abhängen und falten. Und rühr’ die Hemden im Badezimmer nicht an!“ „Ja, Herr Lehrer.“ Katsuya warf einen Blick über die Schulter – und traf auf blaue Augen. Kaiba hatte sich also doch von seinem Buch abwenden können. Hatte er vielleicht doch den scharfen Unterton bemerkt. „Soll ich vielleicht etwas Musik einschalten?“, fragte der Ältere versöhnlich. „Stört sie das nicht beim Lesen?“ „Mir ist eher ohne zu langweilig.“ „Was lesen sie denn?“, das wäre doch glatt mal interessant zu wissen. „Fermats letzter Satz.“, er legte ein Lesezeichen in die Seite, die er gerade aufgeschlagen hatte und ging zum Radio herüber, neben dem einige CDs lagen. „Und worum geht es da?“ „Die Geschichte der Mathematik und ein mathematisches Problem, dessen Lösung erst vor wenigen Jahren nach jahrhundertlanger Forschung gefunden wurde. Bisschen ausschweifend und einfach, aber recht informativ.“ Ein Buch über höhere Mathematik – einfach? So was konnte auch nur aus Kaibas Mund kommen. Sie hatten sich zusammen mit den Klängen von Nightwish ins Wohnzimmer verzogen, Kaiba mit seinem Buch über irgendeine komplizierte mathematische Formel und Katsuya mit seinen Wiederholungsaufgaben, damit er die Mathematik der Mittelstufe verstand. So betrachtet war es ein Wunder, dass es eine Musik gab, die sie beide mochten. Katsuya hörte keine Klassik, Kaiba mochte kein Punk. Und Metal schon gar nicht. Gerade mal bei Musicals, Nightwish, Gackt und Sting gab es eine Einigung. Wunderbar – sie hatten drei Gruppen gefunden, die sie beide mochten. Sie waren so verdammt unterschiedlich. Wie sollte das jemals etwas mit ihnen werden? Was verband sie denn schon? „Kommst du gut voran?“, fragte der Ältere irgendwann. „Ich denke schon.“, murmelte der Blonde, der bäuchlings auf dem Teppich lag und bei der dritten Seite angekommen war, „Ist nur blöd, dass ich keine Lösungen habe.“ „Soll ich es nachsehen?“, bot der Andere an. „Ich dachte, sie wollten lesen…“, hatte er ja unfreundlich genug klar gemacht… „Mir ist langweilig.“, informierte er ihn, „Außerdem kann ich dir so helfen. Schließlich habe ich verlangt, dass du das alles aufarbeitest.“ Wow, die erste freundliche Tat heute. Super Bilanz. Aber es wäre wirklich hilfreich… er sollte annehmen. „Danke für ihre Hilfe.“, er reichte dem Lehrer das Aufgabenblatt und seine Lösungen, „Aber bitte nicht mit dem roten Stift.“ „Ich hatte an Grün gedacht.“, meinte der Brünette mit einem angedeuteten Lächeln, „Aber Lila habe ich auch da.“ Katsuya sah auf, hob eine Augenbraue, legte den Kopf etwas zur Seite und fragte: „Sie scherzen, oder?“ „Katsuya, der wichtigste Besitz eines Lehrers ist sein Rotstift. Das kannst du mir nicht antun.“ Was war denn jetzt los? Der Jüngere konnte sein Schmunzeln nicht unterdrücken. Konnte man Drachen mit Musik beruhigen? Oder war es das Essen gewesen? Seine Laune hatte sich auf jeden Fall gehoben. „Ich möchte Lila.“, entschied er. „Das rote Lila?“ „Das violette Lila.“ „Gemeinheit.“, Kaiba zog einen Stift aus seinem Etui, das auf dem Tisch gelegen hatte – die Tinte war lila. „Und wie wir sehen, bin ich unfähig die pq-Formel auszuführen…“, stellte Katsuya mit einem Seufzen bei der Durchsicht seiner Unterlagen fest. „Eigentlich hast du nur jedes Mal das Minus vergessen.“, der Ältere, der neben ihm auf dem flauschigen Teppich saß, tippte jede der betroffenen Aufgaben an, „Du hast die Formel falsch gelernt.“ „Eher habe ich sie falsch in Erinnerung behalten.“, er griff nach seiner von Ryou erstellten Formelsammlung und seufzte wieder, „Da ist das Minus… ich hab’ es jedes Mal vergessen…“ „Yugi wäre sicher so freundlich dir das in einer Arbeit nur mit einem Fehlerpunkt anzurechnen.“, versicherte ihm der Größere lächelnd, „Ansonsten müsste ich ein ernstes Gespräch mit ihm führen.“ „Wenn Lehrer ungerecht zu mir sind, sprechen sie mit ihnen?“, fragte der Blonde mit erwartungsvoll glitzernden Augen. „Sicher. Und das Wort des stellvertretenden Direktors wiegt sicher schwer.“ „Meinen sie, die werden mich bevorzugt behandeln, wenn sie erfahren, dass sie sich für mich einsetzen?“, der Lehrer zuckte nur mit den Schultern, „Meinen sie nicht, die vermuten etwas, wenn sie sich für mich einsetzen?“, fragte Katsuya ernster. „Sobald ich den Pflegeantrag durch habe, werde ich es sowieso öffentlich machen. Bis dahin bist du einfach nur mein Schützling. Und das wissen die jetzt schon, so oft wie man uns zusammen sieht.“ „Ist das so auffällig?“, das hatte er noch gar nicht bemerkt… „Lehrer sind Klatschbasen. Nur ein falscher Blick zu einer Schülerin und dir wird ein Verhältnis mit ihr unterstellt.“ „Echt?“, der Blonde rückte interessiert näher, „So schlimm?“ „Die meisten Lehrer sind sehr unglückliche Menschen. Den wenigsten macht ihr Job wirklich Spaß. Was sollen sie sonst tun als sich gegenseitig in der Luft zu zerreißen?“ „Den Beruf wechseln?“, er legte den Kopf schief, wodurch der Ältere ein Lachen unterdrücken musste. „Manchmal bist du furchtbar naiv, Katsuya… Menschen sind Gewohnheitstiere. Die wechseln nicht einfach so den Beruf. Die Umstände müssen schon wirklich schlimm sein, damit sich ein Mensch aufrafft, um etwas zu ändern. Sich mit etwas zufrieden zu geben und ansonsten daran rumzumeckern ist weit leichter.“ „Wahrlich…“, stimmte der Kleinere zu, „Lässt mich ja fast Mitleid für sie empfinden…“ „Ihr Problem, wenn sie einen Beruf wählen, den sie eigentlich gar nicht wollten.“, meinte der Brünette nur. „Aber sie wollten Lehrer werden?“ „Nicht wirklich. Ich wollte dich finden.“, er atmete tief durch, „Aber mittlerweile macht mir der Beruf ziemlich Spaß. Obwohl…“ „Obwohl was?“, fragte der Jüngere nach, begab sich auf seine Knie und platzierte seine Hände links und rechts hinter Kaibas überkreuzten Beinen. „Ich hätte gerne Informatik, Computerdesign und Graphik studiert und wäre Spielentwickler geworden.“, flüsterte der Ältere, „Aber… das geht nicht.“, er senkte den Blick. „Warum?“, fragte Katsuya genauso leise nach. „Ich kann nicht bei der Konkurrenz anfangen und auch nicht unter meinem Bruder arbeiten. Und eine eigene Firma eröffnen…“, er seufzte leise, „Die würden sie platt machen. Die würden mich ruinieren, nur weil sie mich fürchten. Die haben mich von früher einfach zu gut in Erinnerung. Und mein Ruf ist nicht sehr positiv.“ „Und wenn die Firma unter dem Namen eines anderen läuft und keiner erfährt, dass sie da arbeiten?“ „Finde mal jemanden, der das für mich macht.“, meinte Kaiba schnaubend. „Ich würde das tun.“ Rauchige Saphire trafen in tiefes Bernstein. Kein Muskel in seinem Gesicht verzog sich. Weder zu einem kalten Blick noch zu einem Lächeln. Doch auch keinerlei Anspannung verkrampfte seine Züge. „Du?“, flüsterte der Ältere. „Ich weiß doch auch nicht, wie ich ihnen außer durch Anwesenheit helfen soll. Und ihnen bedeutet das doch viel, oder? Ich habe eh keinen blassen Schimmer, was ich mit meinem Leben machen soll, also warum nicht eine Firma eröffnen? Sie werden wissen, was ich da tun muss, daran habe ich keinen Zweifel. Und da es um ihren Traum geht, werden sie mich kaum auflaufen lassen. Und ich habe noch drei Jahre um zu lernen, wie ich mich verhalten und welche Aufgaben ich erfüllen muss.“ „Katsuya, damit verbaust du dir dein Leben. Wenn dir das keinen Spaß macht, dann bringt das doch nichts. Man sollte aus tiefsten Herzen hinter seinem Beruf stehen oder es gleich lassen.“ „Dann verbauen sie sich gerade ihr Leben?“ Die Haut spannte sich über Kaibas Kiefer. „Wie wäre es, wenn sie mir ein bisschen was über Firmenführung erzählen? Ich kann ja dann immer noch entscheiden, ob das etwas für mich ist oder nicht.“ „Ich möchte nur nicht, dass du das nur mir zuliebe tust.“, flüsterte der Brünette und lehnte seine Stirn an Katsuyas, „Ich habe dich nicht von deinem Vater weggeholt, um dich an seiner statt auszunutzen.“ Vorsichtig hob der Blonde die Arme, legte sie auf Kaibas Schultern, wandte sein Gesicht zur Seite und drückte sich näher an den Älteren, bis er sein Kinn auf dessen Halsansatz abstützen konnte und murmelte: „Danke.“ Hosted by Animexx e.V. (http://www.animexx.de)